City Talk
Bloß keine Panik

"Panic on the Streets of London", sang die Pop-Band "The Smiths" Ende der achtziger Jahre. Damals rollte die letzte große Immobilienkrise auf Großbritannien zu. Ganz so schlimm sieht die Lage heute nicht aus - noch nicht, würden wohl die Pessimisten in der Londoner Finanzmeile sagen. In Sachen Pessismismus besteht in der City akute Inflationsgefahr.
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HB. Tatsächlich beschleicht einen manchmal das gruselige Gefühl eines Déjà-vu, wenn man an die Zeit damals zurückdenkt, und das bei weitem nicht nur, weil unverzeihliche Modesünden wie Leggins und Glitzer-Gürtel gerade ihre fröhliche Wiederauferstehung feiern.

Auch damals sorgte ein jahrelanger Aufschwung für fast grenzenlose Euphorie, bis dann der Boom der achtziger Jahre kippte und Großbritannien im Frühjahr 1990 in die tiefste Immobilienkrise und die längste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg schlitterte.

Hier enden zum Glück bislang die Parallelen zur Vergangenheit. Eine Rezession droht Großbritannien im kommenden Jahr kaum - allerdings wird sich das Wirtschaftswachstum empfindlich abkühlen, um etwa ein Drittel in Richtung zwei Prozent. Und die Hauspreise fallen auch - nahezu im ganzen Land. Selbst London hat sich an der Schwäche des Immobilienmarkts angesteckt, weil die Banker in der City in diesem Jahr wohl nur 7,4 Milliarden Pfund an Boni kassieren werden. Das ist zwar noch immer eine gigantische Summe, aber eben doch rund 1,5 Milliarden Pfund weniger als 2006.

Zum Anstoßen mit einem Gläschen Sekt (es muss ja nicht immer Champagner sein) wird es trotzdem reichen. Damit können die Banker dann die gruseligen Erinnerungen an die frühen 90er wegtrinken. Allein im Jahr 1992 verloren 50 000 Banker in der City ihren Job.

Das Panik-Lied der Smiths geht übrigens mit der Zeile weiter, "I wonder to myself, will life ever be sane again". Es steht zu befürchten, dass das Leben zumindest in der Londoner City noch lange nicht wieder zur Normalität zurückkehren wird. Hoffentlich dauert die Krise nicht so lange, bis bunte Leggins und Glitzerggürtel, dieses Mal hoffentlich für immer, wieder aus den Boutiquen und den Kleiderschränken verschwunden sind.

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