CITY TALK
Chuck – rette uns!

Jetzt hilft nicht einmal mehr beten – vor der Kreditkrise kann uns nur noch Chuck Norris retten. Für alle, die keine Ahnung haben, worum es hier geht: Norris ist nicht nur der Star der amerikanischen TV-Action-Serie „Walker Texas Ranger“, er trägt auch den schwarzen Gürtel in Taek Won Do. Überhaupt hat Norris vor nichts und niemandem Angst und ist unbesiegbar, wenn nicht sogar unsterblich. Zumindest suggerieren das die seit Jahren im Internet kursierenden Listen der „Chuck Norris Facts“, die beweisen, dass keiner härter ist als der US-Schauspieler.

Ein paar Beispiele gefällig? „Wenn Chuck Norris Liegestütze macht, drückt er nicht sich nach oben, sondern die Welt nach unten“. Oder: „Manche Leute tragen Superman-Schlafanzüge. Superman trägt Chuck-Norris-Schlafanzüge“. Aber Norris hat mehr drauf als Kraftmeierei, seine Leistungen reichen ins Metaphysische, schließlich hat er bis Unendlich gezählt – zwei Mal.

Kein Wunder, dass vor einiger Zeit in Londoner Bankerkreisen, die ersten „Norris Facts“ zur Kreditkrise auftauchten. Einer davon lautet: „Chuck Norris kann sich zu Libor plus Null verschulden.“ Das wäre allerdings wirklich eines Superhelden würdig. Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen, und seit Ausbruch der großen Kreditkrise müssen die Geldhäuser dafür horrende Risikoaufschläge bezahlen.

Der Grund dafür ist nicht unbedingt, dass die Banken sich gegenseitig misstrauen und sich deshalb nichts mehr leihen wollen. Die Banken fürchten weniger den Kollaps der Konkurrenz, sie horten das Geld, weil sie Angst haben, selbst kein Kapital mehr zu bekommen. Auf die Liquiditätshilfen der Zentralbanken können sie nicht ewig vertrauen, und der so wichtige Verbriefungsmarkt ist nach wie vor schwer angeschlagen.

Die Alternativen sind auch nicht viel attraktiver: Um die knappen Spargelder der Kunden ist bereits ein heftiger Wettbewerb ausgebrochen, und für Anleihen fordern die Investoren saftige Risikoprämien. Die Banken stecken in einem tiefen Finanzierungsdilemma, für das es keine leichte Lösung gibt, solange die Kreditkrise die Märkte im Griff hat.

Aber vielleicht ist ja die Krise schon bald vorbei – wenn Chuck Norris nur endlich einmal Gefühle zeigen würde. Denn die Banker wissen: Seine Tränen könnten die Finanzmärkte heilen, nur leider weint Chuck Norris nie.

maisch@handelsblatt.com

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