City Talk
Der Osten leuchtet

Im Moment dreht sich die Finanzwelt so schnell, dass einem fast schon schwindelig werden kann. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, dass der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg den Unternehmensberatern von McKinsey im vergangenen Jahr einen ganz speziellen Auftrag gab.

LONDON. Im Moment dreht sich die Finanzwelt so schnell, dass einem fast schon schwindelig werden kann. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, dass der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg den Unternehmensberatern von McKinsey im vergangenen Jahr einen ganz speziellen Auftrag gab.

Sie sollten prüfen ob, und gegebenenfalls warum, die Wall Street im Rennen der internationalen Finanzplätze an Boden verliert. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt, New York droht vor allem gegenüber dem Erzrivalen London ins Hintertreffen zu geraten. Ein Grund dafür ist Londons geographische Position zwischen den Zeitzonen. Die sorgt dafür, dass die Händler morgens mit den aufstrebenden Finanzplätzen in Asien Geschäfte machen können, und am Nachmittag mit den Kollegen von der Wall Street.

Doch der Globus hat sich ein Stückchen weiter gedreht. Vor kurzem bestellte der Ex-Fernsehkomiker und frisch gebackene Bürgermeister von London Boris Johnson eine Studie bei McKinsey. Dieses Mal sollen die Berater herausfinden, ob und wenn ja, warum Londons führende Stellung als Weltfinanzzentrum in Gefahr ist. Das Ergebnis ist fast schon vorhersehbar: Ja, Londons Pole Position ist angreifbar. Aber die schärfste Konkurrenz sitzt nicht mehr an der Wall Street.

Die Kräfteverhältnisse in der Finanzwelt haben sich in den vergangenen Jahren immer weiter in Richtung Osten verschoben. Zunächst einmal weg von New York über den Atlantik in Richtung Themse. Aber die Kontinentaldrift stoppte nicht in der Londoner City. Auf der Flucht vor den Folgen der Kreditkrise schicken viele Geldhäuser ihre besten Manager in Richtung Orient, in Metropolen wie Hongkong, Schanghai, Singapur und Dubai. Dort schwimmen die Investoren dank Rohstoffboom und Exporterfolgen im Geld. "Ex Oriente Lux", "aus dem Osten kommt das Licht", wussten schon die alten Lateiner. Und tatsächlich sind Asien und der Nahe Osten heute für die meisten Investmentbanken so etwas wie das gelobte Land.

Auch wenn sich die McKinsey-Berater gerade erst an die Arbeit gemacht haben, dürfte Londons Bürgermeister Boris Johnson bereits ahnen, dass sich die Uhr nur schwer zurückdrehen lässt - selbst wenn die Kreditkrise Europa und die USA irgendwann einmal aus ihrem unerbittlichen Griff freilassen sollte.

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