City Talk
Die Angst geht um

Eigentlich müsste man meinen, dass die Schadenfreude in London derzeit fröhliche Urstände feiern würde. Immerhin geht es dank der großen Krise an den Kapitalmärkten jetzt der erfolgsverwöhnten Kaste der Investmentbanker ans Leder. Aber es gibt keine Schadenfreude - nur Angst.

Es wirft nicht unbedingt ein gutes Licht auf die Deutschen, dass die Engländer das Wort "Schadenfreude" nicht kennen. Zumindest verwenden die Angelsachsen den deutschen Begriff "Schadenfreude", wenn es darum geht, über jemanden zu lachen, der gerade auf einer Bananenschale ausgerutscht ist, oder dem sonst ein schmerzhaftes Missgeschick passiert ist.

Eigentlich müsste man meinen, dass die Schadenfreude in London derzeit fröhliche Urstände feiern würde. Immerhin geht es dank der großen Krise an den Kapitalmärkten jetzt den Investmentbankern ans Leder. Jener Spezies also, die in den vergangenen Jahren dank millionenschwerer Boni in Saus und Braus lebte und die Preise am Immobilienmarkt der britischen Metropole so hoch trieb, dass viele Normalverdiener ins weitere Umland umsiedeln mussten.

Aber es gibt keine Schadenfreude - nur Angst. Die Londoner wissen genau, wie abhängig das Wohlergehen ihrer Stadt vom Erfolg der Banken ist. In der City of London werden jährlich über acht Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. In den vergangenen beiden Quartalen verzeichnete der boomende Finanzsektor ein Wachstum von jeweils zehn Prozent - und davon profitieren alle. Das viele Geld, das die Banker und die Banken in den vergangenen Jahren gemacht haben, verdirbt nicht nur die Preise, es sickert auch in viele andere Bereiche durch, von Bars und Restaurants, über den Einzelhandel bis hin zu Fluglinien und zur Bauindustrie.

Bei den Londonern ist die Erinnerung an das Platzen der großen Internetblase nach der Jahrtausendwende noch sehr frisch. Damals verloren tausende Investmentbanker in der City ihren Job. Doch nicht nur die Karriere vieler ehrgeiziger junger Akademiker fand so zumindest vorübergehend ein abruptes Ende. Das gleiche Schicksal traf auch die kleinen Angestellten der Limousinen-Services, die es in London wie Sand am Meer gibt. Geht den Bankern die Arbeit aus, dann gilt das gleiche für die Chauffeure, die die Finanzelite durch die Stadt kutschiert. Kein Wunder, dass ein Londoner Taxi-Fahrer vor kurzem die Klagen eines krisengebeutelten Bankers mit der Bemerkung quittierte: "Wir sitzen doch alle im selben Boot".

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