City Talk
Diven im Geldrausch

Wofür werden die Vorstände von Investmentbanken eigentlich bezahlt? Die ganze Arbeit machen doch ihre Top-Angestellten, die so treffend "Regenmacher" genannt werden. Jene Stars der Branche, die auf Du und Du mit den Vorstandschefs dieser Welt stehen und für ihre Arbeitgeber einen Deal nach dem anderen an Land ziehen.
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Eine Antwort auf die eher rhetorische Frage lautet: Die Vorstände haben die vornehme Aufgabe, die Erwartungen ihrer Angestellten zu managen. Das mag simpel klingen, ist aber so komplex wie Quantenphysik. Dafür sorgen zwei alte, dafür aber um so verlässlichere Weisheiten. Die eine besagt, dass die Branche zwischen Angst und Gier oszilliert. Die andere lautet: Investmentbanker sind empfindliche Diven. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Wie schwierig das Erwartungsmanagement tatsächlich ist, zeigen zwei Umfragen. Ende August prophezeite die New Yorker Personalberatung Johnson Associates, dass die Boni im Investment-Banking in diesem Jahr noch einmal um 15 Prozent steigen werden. Anfang September veröffentlichte die Londoner Personalberatung Morgan McKinley den Befund, dass die meisten Banker in diesem Jahr mit einem 50 Prozent höheren Bonus rechnen. Zwischen den beiden Umfragen liegen weit mehr als einige Wochen und der atlantische Ozean. Die Daten von Johnson zeigen, was die Banken gerne zahlen würden, die von Morgan McKinley, was ihre Angestellten fordern.

Bleibt die Frage, wer am längeren Hebel sitzt. Dazu ließe sich eine weitere Statistik zu Rate ziehen, die, wer hätte es gedacht, von einer dritten Personalberatung stammt. Manpower vermeldete vor einigen Tagen, dass die Finanzindustrie in Sachen Einstellungen so optimistisch ist wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das heißt, Angst um seinen Job muss im Moment kaum ein Banker haben. Im Gegenteil: Das lukrative Angebot der Konkurrenz liegt oft schon in der Schublade. Die Zeichen stehen derzeit eindeutig auf Gier.

Für die Banker dürfte die nächste Bonussaison wie Weihnachten werden. Aber bekanntlich erfüllen sich ja auch am Fest der Feste nicht alle Wünsche. Goldman Sachs hat in diesem Jahr bislang 542 000 Dollar je Angestellten für den großen Bonustopf zurückgelegt. Das klingt nach sehr viel Geld. Ist es auch, aber leider sind die 542 000 Dollar auch nur 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

maisch@handelsblatt.com

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