City Talk
Ende mit Schrecken

Als Stefan Jentzsch, seines Zeichens Chef von Dresdner Kleinwort, offiziell verkündete, dass die Investmentbankentochter des Versicherungsriesen Allianz in Zukunft eigene Wege gehen werde, versprach er seinen Mitarbeitern "aufregende Chancen". An Aufregung sind die Kleinwort-Banker gewöhnt, an lukrative Chancen schon weniger.
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Als die Allianz 2001 die Dresdner Bank schluckte, war sich der damalige Dresdner-Kleinwort-Chef Lenny Fischer sicher, dass es für die Investmentbank nur zwei Optionen gebe, entweder wird sie radikal auf die Bedürfnisse des Versicherers zurechtgestutzt, oder die Allianz entscheidet sich für eine saubere Trennung, das heißt für einen Verkauf oder eine Ausgliederung.

Der Versicherer erwies sich als ausgesprochen entscheidungsfreudig, tatsächlich schien die Allianz mit dem Entscheiden gar nicht mehr aufhören zu können. Zunächst stellten die Münchener die Zeichen auf Integration, dann auf Abspaltung, dann wieder auf Integration. Jetzt, sieben Jahre nach der Übernahme und zwei Chefs nach Lenny Fischer, bereitet die Allianz wieder einmal die Abspaltung vor, bis Ende dieses Jahres sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen sein.

Findet der lange Leidensweg von Dresdner Kleinwort damit endlich ein Ende? Zumindest der Zeitpunkt für die geplante Ausgliederung ist reichlich ungewöhnlich, um es vorsichtig auszudrücken.

Als das schwer angeschlagene Wall Street Haus Bear Stearns vor kurzem zu kollabieren drohte, gab es offenbar nur eine Rettung: Den Notverkauf an JP Morgan Chase, einen breit aufgestellten Finanzriesen mit dickem Bilanzpolster. Ausgerechnet in diesen unruhigen Zeiten will die Allianz genau den umgekehrten Weg gehen.

Dabei muss man kein Experte sein, um zu erkennen, dass die Zeichen im Investment-Banking auf Marktbereinigung stehen. Auch bei den Finanzaufsehern würde sich angesichts der massiven Krise die Freude über eine neue kleine selbstständige Investmentbank wohl in engen Grenzen halten.

Aber der Fall Bear Stearns birgt auch Hoffnung, zumindest für die Allianz. Immerhin musste JP Morgan den Preis für die Übernahme der Krisenbank auf Druck des Marktes von zwei Dollar auf zehn Dollar je Aktie erhöhen. Das beweist, dass Investmentbanken trotz der Krise ihren Preis haben, und dass es Käufer gibt, die bereit sind, diesen Preis zu bezahlen.

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