City Talk
England im Kaufrausch

Auf der Insel ist die Subprime-Krise längst im Volk angekommen. Doch die Lust am Weihnachtseinkauf lassen sich die Briten dadurch nicht verderben. Auf der belebtesten Einkaufsmeile des Landes, der Londoner Oxford Street, drängeln sich die Kunden wie eh und je.
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Wenn man in einer mittelgroßen deutschen Stadt samstags vormittags in der Fußgängerzone eine Umfrage starten würde, wie viele Bürger könnten mit dem Wort "Subprime" etwas anfangen? Jeder vierte? Jeder zehnte? In Großbritannien stünden die Erkennungs-Chancen sicherlich deutlich besser. Auf der Insel ist die Krise längst im Volk angekommen.

Am vergangenen Montag erfreute der Fernsehsender Channel Four seine Zuschauer zur besten Sendezeit mit der Dokumentation "Christmas Credit Crisis", eine Art Reality-Horror-Streifen kurz vor dem Fest. Die Hauptrolle spielten die bunten Kreditkarten, von denen die Briten meist nicht nur eine, sondern zwei, drei oder vier in der Brieftasche haben. Die Konsumenten auf der Insel sind im Schnitt doppelt so hoch verschuldet wie die Bürger im übrigen Europa. Der kollektive Schuldenberg hat inklusive Immobilienkrediten längst die Billionen-Grenze überschritten. Bereits 2006 stieg die Zahl der Privatinsolvenzen auf einen Rekordstand.

Lassen sich die Briten von diesen Zahlen die Lust am Weihnachtseinkauf verderben? Ach wo. Auf der belebtesten Einkaufsmeile des Landes, der Londoner Oxford Street, drängeln sich die Kunden wie eh und je, schwer bepackt mit Tüten und Kartons. Großbritannien mag auf die schwerste Wirtschaftskrise seit Anfang der 90er-Jahre zusteuern, aber davon lassen sich die Briten nicht beeindrucken - noch nicht. 706 Pfund will der Durchschnittskonsument dieses Jahr für das Fest der Liebe ausgeben; sieben Prozent mehr als im Vorjahr und knapp doppelt soviel wie in Deutschland.

Muss die britische Kreditkartenblase nicht irgendwann platzen, so wie die Subprime-Bubble am US-Immobilienmarkt? Das Erschreckende an der Schuldenlast der Briten sind nicht einmal die nackten Zahlen, sondern die Tatsache, dass sich die Spirale immer weiter dreht. Selbst völlig überschuldete Verbraucher, können sich ohne große Tricks immer neue Plastikkarten und so neuen Kredit verschaffen. Wenn auch zu Zinsen von über 30 Prozent. Ein Schelm, wer dabei an die üblen Übertreibungen am Markt für zweitklassige US-Immobilienkredite kurz vor dem abrupten Ende der großen Subprime-Euphorie denkt. Aber vielleicht haben die Briten ja gute finanzielle Vorsätze für 2008 gefasst, ansonsten droht der Insel ein böser Schuldenkater.

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