City Talk: Es grünt so grün

City Talk
Es grünt so grün

Londons Bürgermeister Ken Livingstone hat einen Traum: Er will den qualmenden Moloch innerhalb von zwanzig Jahren in eine Art Utopia mit sauberer Luft verwandeln. Eine kühne Vision, und wenn es um kühne Visionen geht, dürfen die Finanzhäuser in der City natürlich nicht fehlen.

Kaum ein Unternehmen, das sich nicht dem Klimaschutz als neuem Ziel verpflichtet hätte. CO2-neutral heißt das Zauberwort, und so pflanzen die Geldhäuser für jeden Banker, der um des schnöden Mammons willen um die Welt fliegt, ein Bäumchen. Das Taxi zum Flughafen gehört selbstverständlich einer Firma, die nur Hybrid-Modelle in ihrem Fuhrpark hat.

Besonders rührig zeigt sich der Versicherungsmarkt Lloyds. Kein Wunder, die Versicherer müssen es ja ausbaden, wenn halb Europa überschwemmt wird. Lloyds beschränkt sich aber nicht nur auf das Pflanzen von Bäumen, denn der Kampf gegen die Erderwärmung wird auch in den Köpfen gewonnen. Deshalb hat der Versicherungsmarkt drei Poeten beauftragt, Gedichte gegen den Klimawandel zu schreiben.

Einige Londoner Banker zweifeln an der Effektivität des Konzepts. Aber Banker sind zynische Gesellen, die sich eher Sorgen machen, dass der grüne Aktivismus den Bierpreis in die Höhe treibt – kein Witz. Wer jemals die überfüllten Pubs in der City nach Büroschluss erlebt hat, der weiß, dass diese Bedenken ernst genommen werden sollten. Das Bierargument läuft in etwa so: Weil die Nachfrage nach Bio-Kraftstoffen weltweit rasant steigt, pflanzen die Bauern immer mehr Raps oder Soja statt Hopfen und Gerste. Für die unverzichtbaren Bierrohstoffe werden deshalb schon bald Knappheitspreise fällig, die natürlich auf den Endverbraucher durchschlagen.

Aber Investmentbanker wären keine Investmentbanker, wenn sie nicht auch für dieses Problem eine marktgerechte Lösung parat hätten. Einfach proportional zum eigenen Bierkonsum Biokraftstoff-Aktien kaufen. Stimmt die Argumentationskette, dann müssten die Papiere deutlich an Wert gewinnen und liefern damit die perfekte Absicherung gegen die befürchtete grüne Bierpreisinflation – Cheers.

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