City Talk
Flexible Warner

Die Asienkrise Ende der 90er-Jahre weist trotz vieler Unterschiede auch Parallelen zur aktuellen Finanzkrise auf. In beiden Fällen führte die mehr als freizügige Kreditvergabe der Banken zu einer Blase an den Wertpapiermärkten und einer empfindlichen Abwertung am Devisenmarkt - damals in den Schwellenländern, heute in den Vereinigten Staaten.
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Die Briten haben bekanntlich einen sehr feinen Sinn für Ironie. Vielleicht ist das ja der Grund, warum Schatzkanzler Alistair Darling vorgeschlagen hat, den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer Art Frühwarnsystem für die Finanzmärkte auszubauen. Eine Rolle, an die sich der Fonds wohl erst gewöhnen muss. Noch in seinem im vergangenen Herbst veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick (da war die Kreditkrise bereits in vollem Schwung) erwartete der IWF für die Vereinigten Staaten 2008 eine Wachstumsrate von 1,9 Prozent. Anlässlich des Frühjahrstreffens des Währungsfonds vor wenigen Tagen korrigierte das Frühwarnsystem in spe diesen Wert auf 0,5 Prozent nach unten. Aber der IWF ist ja lernfähig. Das hat er gerade bei der Bewältigung von Krisen immer wieder aufs neue bewiesen.

Erinnert sich noch jemand an die Asienkrise, Ende der 90er-Jahre? Natürlich gibt es viele Unterschiede zwischen damals und heute. Aber Paul Niven von der Fondsgesellschaft F&C weist völlig zu recht auch auf einige strukturelle Ähnlichkeiten hin. In beiden Fällen führte die mehr als freizügige Kreditvergabe der Banken zu einer Blase an den Wertpapiermärkten und einer empfindlichen Abwertung am Devisenmarkt - damals in den Emerging Markets, heute in den Vereinigten Staaten.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Krisen ist vielleicht die vom Währungsfonds verordnete Medizin. Damals "empfahl" der Fonds den asiatischen Emerging Markets die Zinsen zu erhöhen, und die Staatsausgaben zurückzufahren, um das Vertrauen der internationalen Investoren zurückzugewinnen. Eine harte und schmerzhafte Therapie, sicher, aber das Fieber müsse eben ausgeschwitzt werden, meinte der IWF.

Heute sieht der vom Fonds abgesegnete Medikamentenmix zur Heilung der großen Finanzkrise etwas anders aus. Drastische Zinssenkungen in den USA, Liquiditätsspritzen für die klammen Banken und wenn es sein muss, dann eben auch Ausgabenprogramme der Regierung. Die Zeiten ändern sich, und mit ihr offenbar auch wirtschaftspolitische Überzeugungen. Schön, dass die Weltwirtschaft bald ein so flexibles Frühwarnsystem haben wird.

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