City Talk
Friedhof der Kuscheltiere

Ein Crash am Aktienmarkt: Rauschen die Kurse in einem Rutsch in den Keller? Nein, in der Regel ähnelt der Absturz einer Zick-Zack-Kurve. Auf einen tiefen Fall folgt eine Erholung, bevor es weiter abwärts geht. Die tote Katze hüpft noch einmal, bevor sie hart auf dem Pflaster aufschlägt - die Krise der Londoner City und mögliche Spätfolgen.

Tote Katze hüpfen nicht. Es sei denn, man wirft sie aus dem 44. Stock. Stop! Bevor erboste Tierfreunde jetzt zur Feder greifen und giftige Leserbriefe schreiben sei versichert, dass niemand beim Handelsblatt die Absicht hat oder hatte, Lebewesen - egal ob tot oder lebendig - aus irgendwelchen höheren Gebäuden zu werfen. Der "Dead Cat Bounce" ist eine Metapher, zugegebenermaßen eine ziemlich zynische, für die Finanzmärkte in bestimmten kniffligen Situationen.

In der Londoner City fragen sich einige Berufsskeptiker, ob hinter der Rally der vergangenen Wochen an den Aktienmärkten am Ende nicht ein totes Haustier steckt. Der Verdacht liegt nahe. Völlig unbeeindruckt von den düsteren Spätfolgen der großen Kreditkrise stiegen die Kurse munter in neue Höhen. In Großbritannien machte der FTSE-100-Index erst kurz vor einem Sieben-Jahreshoch halt. Dann ging es allerdings wieder abwärts - und das präzise zum 20. Jubiläum des schwarzen Montags von 1987.

Mit einem regelrechten Crash rechnet in der City zwar kaum einer. Aber den unbekümmerten Optimismus, mit dem die Investoren nur wenige Wochen nach den schweren Verwerfungen der Subprime-Krise Geld in die Aktienmärkte pumpten, beobachteten viele doch mit Argwohn. Zu Recht, denn für eine Entwarnung ist es sicher noch zu früh. Beim Blick in die Wirtschaftsgeschichtsbücher stößt man auf viele tote Katzen. Das Verhaltensmuster scheint typisch für Spekulationskrisen zu sein, die die Finanzmärkte seit der berühmt-berüchtigten holländischen Tulpen-Blase im 17. Jahrhundert in schöner Regelmäßigkeit heimsuchen. Auf den ersten Schock folgt die Erleichterung, dass das Leben wider erwarten doch weiter geht. Dann setzt sich allmählich doch die Erkenntnis durch, dass die Welt nie wieder so schön sein wird, wie vorher.

Noch gibt es keinen Grund zur Panik; trotz Subprime und den Folgen ist die Finanzwelt nicht untergegangen und wird das aller Wahrscheinlichkeit auch nicht tun. Aber von ihren sprichwörtlichen neun Leben hat die Katze bereits einige verbraucht.

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