City Talk
Gauner in Nadelstreifen

Hedge-Fonds-Händler Phillipe Jabre stopft das Sommerloch der City of London mit einer saftigen Kriminalgeschichte. Er versorgt die City durch seine schlagzeilenträchtige Schlacht mit der Finanzaufsicht FSA mit reichlich Gesprächsstoff.

LONDON. Monatelang lieferte sich Jabre eine schlagzeilenträchtige Schlacht mit der Finanzaufsicht FSA, die ihm Insiderhandel mit Wandelanleihen einer japanischen Bank vorwarf. Jabre beteuerte seine Unschuld und legte Berufung ein. Am Ende musste er seinen Einspruch allerdings zurückziehen und zähneknirschend eine Strafe von 750 000 Pfund akzeptieren – die höchste Buße, die die FSA je verhängt hat. Viel Geld für einen Normalverdiener, aber reicht die Summe als Abschreckung für den nächsten Bösewicht?

Existenzgefährdend dürfte die Strafe für einen Top-Manager im hochlukrativen Hedge-Fonds-Geschäft kaum sein. Bleibt die Schande. Immerhin ist Jabre ja jetzt in aller Öffentlichkeit gebrandmarkt. Will er jemals wieder einen Hedge-Fonds auf britischem Boden eröffnen, müsste die FSA das absegnen – nach dem harten Kampf um die Verurteilung Jabres wenig wahrscheinlich. Aber keiner kann den Manager daran hindern, seine Geschäfte von einem sonnigen Steuerparadies in der Karibik aus weiterzuführen. Stimmt die Rendite, finden sich bestimmt Investoren, die der dunkle Fleck in Jabres Vergangenheit nicht weiter stört.

Irgendwie passt es da sehr gut ins Bild, dass sich ebenfalls in der vergangenen Woche Michael Snyder, einer der wichtigsten Manager der Verwaltung der City of London, mit einem Gastkommentar in der „Financial Times“ zu Wort meldete. Snyder nimmt kein Blatt vor den Mund. Er warnt, dass das Finanzzentrum an der Themse zum Tummelplatz für Betrüger zu verkommen droht, wenn Wirtschaftskriminalität nicht endlich ernst genommen und härter bestraft wird. Snyder weiß, wovon er spricht. Wer als Banker oder Manager nur mit einem Computer bewaffnet eine Million Pfund stiehlt, kommt im Schnitt mit einer Haftstrafe von drei Jahren davon – deutlich weniger, als „gewöhnliche“ Kriminelle absitzen müssen, die dieselbe Summe mitgehen lassen.

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