City Talk
Gebremste Euphorie

Selbst nach einem Rekordjahr wie diesem ist Silvester keine ganz einfache Zeit für Investmentbanker. Denn Jahresende heißt nicht nur überschäumende Freude über üppige Bonuszahlungen, sondern auch neue Ziele aus der Chefetage für 2007.

Auch im Investmentbanking gilt die alte Fußballweisheit „vor dem Spiel ist nach dem Spiel“, und da heißt es sich taktisch klug vorzubereiten. Natürlich ist Optimismus erste Bürgerpflicht. Defätisten und Miesmacher haben in diesem Geschäft keine Chance. Aber zu viel Zuversicht ist gefährlich, denn sonst fallen die Ziele für 2007 zu ehrgeizig aus – und von denen hängt ja der Bonus für das kommende Jahr ab. Also Optimismus ja, aber eher mit Zurückhaltung als mit Euphorie.

Angesichts dieser taktischen Vorgaben können wir uns wohl auf eine Fortsetzung des fast schon beängstigenden Booms bei Fusionen und Übernahmen (M&A) einstellen. Sage und Schreibe 3,6 Billionen Dollar haben Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften in diesem Jahr für Zukäufe ausgegeben, hat die Nachrichtenagentur Bloomberg ausgerechnet. Wie viel besser kann 2007 da noch werden? Um einiges, wenn man den Bankern glaubt. Die Bank of America, Morgan Stanley, die Deutsche Bank und JP Morgan sagen allesamt Steigerungsraten von mindestens zehn Prozent voraus. Sollten die Prognosen eintreffen, würde das den Geldhäusern nach Bloomberg-Schätzungen Beratungshonorare von 24 Milliarden Dollar bescheren.

Zwar sind die für Übernahmen gezahlten Prämien in Europa in diesem Jahr von 14 Prozent auf 18 Prozent gestiegen, aber tatsächlich scheint der Markt noch nicht heiß zu laufen. Aktien sind im historischen Vergleich nach wie vor günstig bewertet, auch Anleihen und Kredite für die Finanzierung von Übernahmen sind noch günstig zu haben. Was kann 2007 also schief gehen? Die größte Gefahr für den M&A-Markt geht von der Inflation aus. Kämen die Notenbanker in den USA und in Europa zu dem Schluss, dass trotz Gefahren für das weltweite Wachstum doch noch die ein oder andere Zinserhöhung fällig wird, könnten sich die Finanzierungsbedingungen für Übernahmen schlagartig verschlechtern. Das würde vor allem die Beteiligungsgesellschaften treffen. Die waren 2006 für Zukäufe von 735 Milliarden Dollar verantwortlich, fast drei Mal so viel wie 2005.

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