City Talk
Gefahr einer Zinspritzen-Überdosis

Zeit für eine Pause, Mr. Bernanke. Nach sechs Zinssenkungen in acht Monaten haben sich die Investoren derart an die kontinuierlichen Geldspritzen der amerikanischen Notenbank gewöhnt, dass sie auch nächste Woche wieder mit einer neuen Dosis aus der Fed-Apotheke rechnen. Eine E-Mail an ben.bernanke@fed.org.
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Allerdings sind die Erwartungen schon etwas bescheidener geworden. Vor zwei Wochen rechnete noch fast die Hälfte der Händler an den Termin-märkten mit einer Lockerung um einen halben Prozentpunkt. Jetzt begnügt sich die herrschende Meinung an der Wall Street mit 25 Basispunkten. Danach, so prophezeien zum Beispiel die Öko-nomen von Barclays Capital, werde die US-Notenbank für den Rest des Jahres pausieren.

Bereits jetzt lässt sich jedoch eine weitere Zinssenkung kaum noch rechtfertigen. Der renommierte US-Ökonom Martin Feldstein hat vor kurzem zu Recht darauf hingewiesen, dass der mögliche Schaden einer neuerlichen Geldspritze ihren Nutzen bei weitem überwiegt. Feldstein argumentiert, dass niedrigere Leitzinsen in den USA direkt zum Preisauftrieb auf den Energie- und Nahrungsmittelmärkten beitragen. Billiges Geld erleichtert es den Investoren auf den Rohstoffmärkten, auf Preissteigerungen zu wetten. Ein Ölpreis von fast 120 Dollar pro Fass zeigt, wie real diese Gefahr ist.

Noch gar nicht berücksichtigt hat Feldstein den zusätzlichen Effekt des schwachen Dollars. Sinken die Zin-sen weiter, wird auch der Greenback schwächer. Da die meisten Rohstoffe jedoch in Dollar gehandelt werden, trägt eine schwache US-Währung unmittelbar zum Preisauftrieb bei. Auch dafür ist der Ölmarkt ein gutes Beispiel.

Umgekehrt wird eine weitere Zinssenkung weder das Ende der Finanzkrise beschleunigen noch die Rezession in den USA stoppen. Nachdem die Fed die Leitzinsen ohne allzu großen Erfolg um volle drei Prozentpunkte nach unten ge-trieben hat, sollten die Notenbanker inzwischen erkannt haben, dass sich damit die Kreditklemme nicht loc-kern lässt. Auf Grund der Zeitverzögerungen in der Geldpolitik konnten die bisherigen Zinssenkungen bestenfalls erst ein Drittel ihrer heilsamen Wirkung entfalten. Bevor Sie jetzt also noch einmal nachlegen, Mr. Bernanke, sollten Sie abwarten, ob die bereits verabreichte Medizin nicht ausreicht, um die Rezession abzumildern.

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