City Talk
Glückliche Pessimisten

Pessimisten gelten im allgemeinen als griesgrämige, verbitterte Zeitgenossen - völlig zu unrecht, denn zumindest einen Vorteil genießen die Miesepeter im Vergleich zu ihren notorisch zuversichtlichen Antagonisten: Pessimisten erleben weitaus öfter angenehme Überraschungen als Optimisten.
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Und weil die Vorfreude auf eine schöne Überraschung bekanntlich die schönste Freude ist, wollen wir hier zum Ausklang des Jahres einmal eine Liste des Schreckens aufstellen, von jenen Ereignissen, die wir uns für 2008 ganz sicher nicht wünschen, die uns aber trotzdem die gute Laune verderben könnten. (Ja, auch Pessimisten können gute Laune haben, sehr oft sogar.)

Sollte die Wirtschaftsgroßmacht USA in eine Rezession rutschen, wäre das schon fast keine Überraschung, mehr. Das wäre schon eher der Fall, wenn die großen Zentralbanken die Zinsen zwar weiter senken, die große Kreditkrise sich aber trotzdem ausbreiten würde. Auf die Märkte für Autofinanzierungen und Kreditkartenschulden zum Beispiel; oder auf die empfindlichen Immobilienmärkte in Spanien und Großbritannien und am Ende auch auf den schon seit Jahren ungewöhnlich stabilen Markt für Unternehmensanleihen. Spätestens, wenn die seit langem prognostizierte Wende des Kreditzyklusses wirklich kommt, würde wohl auch den noch immer zuversichtlichen Investoren an den Börsen der Optimismus endgültig vergehen.

Ein unwahrscheinliches Szenario? Warum sollten sich die mächtigen Notenbanken ausgerechnet bei der mit soviel Energie und Wagemut bekämpften Kreditkrise als zahnlose Tiger erweisen? Weil im Finanzwesen Klischees leider fast immer stimmen, und eines dieser Klischees besagt nun einmal, dass das Wohlergehen der Märkte vom Vertrauen der Investoren abhängt. Und das ist leider gründlich zerstört. Umgekehrt wird natürlich genau so ein Schuh daraus: Solange das Vertrauen der Investoren da ist, können die Notenbanken einen Boom mit ihren Werkzeugen kaum ausbremsen.

Das zeigt ein simpler Blick in die Vergangenheit. Während des langen Aufschwungs der vergangenen Jahre erhöhte die US-Notenbank regelmäßig ihre Leitsätze, ohne dass es der Rally an den Kreditmärkten geschadet hätte. Warum sollte es auf dem langen Weg nach unten jetzt anders sein? Alles in allem sind das trübe Aussichten für 2008, wünschen wir uns deshalb viele angenehme Überraschungen.

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