City Talk
Härtere Zeiten

Nichts ist verführerischer als eine Phase sorgloser Harmonie. Auch wenn man sich noch so oft sagt, dass die Zeiten schon sehr bald wieder härter werden, Körper und Geist gewöhnen sich schnell an Komfort und Luxus.

Wenn die Finanzgemeinde der City of London in diesen Tagen langsam aus dem Sommerurlaub zurückkehrt, wird ihr die Resozialisierung ins Berufsleben doppelt schwer fallen. Die Investmentbanker müssen sich nicht nur an den harten Alltag hinter ihren Schreibtischen gewöhnen, langsam aber sicher sollten sie sich auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass der lange Aufschwung, der inzwischen selbst den Technologieboom zur Jahrtausendwende in den Schatten stellt, an Schwung verliert.

Doch der Abschied von einem langen und schönen Sommer fällt schwer. Noch geben sich die meisten in der Branche optimistisch. Die Kunden stünden nach wie vor Schlange für Börsengänge und große Übernahmeprojekte, lautet das populärste Argument für eine Fortsetzung des Booms. Die entscheidende Frage lautet aber, ob sich dieses Interesse am Ende auch in vielen und in großen Deals niederschlagen wird.

Skeptisch stimmt allein schon der Rhythmus der Jahreszeiten. Traditionell sind die ersten beiden Quartale im Investment-Banking lebhafter als Herbst und Winter. Folgerichtig erwarten die Analysten eine Abkühlung des heiß gelaufenen Geschäfts. Doch es sind nicht nur die üblichen saisonalen Muster, die einige Banker zum Ende der Sommerpause besinnlich stimmen.

Seit den Turbulenzen an den Weltbörsen im Mai und Juni sind die Investoren deutlich misstrauischer geworden. Geopolitische Risiken wie der Krieg im Libanon und die Terrorwarnung in London belasten das Klima zusätzlich. Dazu kommt die Furcht, dass den USA als Lokomotive der Weltwirtschaft der Dampf ausgeht. Die Liste der Sorgen scheint täglich länger zu werden, und das spricht für eine Art Paradigmenwechsel an den Kapitalmärkten. Statt der Optimisten geben jetzt die Bedenkenträger den Ton an, und das könnte ganz konkrete Folgen für die Banken haben: sinkende Handelsgewinne, weniger Wertpapierplatzierungen, weniger Übernahmen. Für eine ausgewachsene Winterdepression ist es sicher noch zu früh. Aber die Zeit des unbeschwerten Sommers ist wohl endgültig vorbei.

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