City Talk
Im Wandel der Zeit

In vielen Geldhäusern fühlten sich die Risikomanager lange Zeit als Banker zweiter Klasse. Angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und der hohen Abschreibungen vieler Geldhäuser scheint sich die Sicht der Dinge jetzt zu ändern.
  • 0

Eine der billigeren Weisheiten aus dem scheinbar unerschöpflichen Fundus der Lebenshilfe-Gurus lautet, dass jede Krise auch Chancen bietet. Das ist ebenso trivial wie wahr. Die Finanzkrise könnten viele Investmentbanken beispielsweise nutzen, um die heikle Machtbalance zwischen ihren Händlern und den Kollegen, die sie kontrollieren, neu zu justieren.

In den Jahren des Booms haben quasi alle großen Investmentbanken, die Risiken, die sie an den Märkten eingehen, massiv hochgefahren. Das sei aber alles kein Problem, ließen die Manager im Brustton der Überzeugung wissen, schließlich habe man dank moderner Modelle und einer noch moderneren Technik gelernt, Gefahren in ganz neuen Größenordnungen zu bändigen. Wenn dem tatsächlich so ist, stellt sich natürlich die Frage, warum so viele Banken dann ungebremst - mit dem Fuß voll auf dem Gaspedal - in die Subprime-Krise rasten und jetzt viele Milliarden abschreiben müssen?

Eine Antwort auf dieses Problem könnte ein so flüchtiges und wenig greifbares Konzept wie die "Risikokultur" einer Institution bieten. In vielen Geldhäusern fühlten sich die Risikomanager, Compliance-Experten und Produkt-Kontrolleure lange Zeit als Banker zweiter Klasse. Das Geld wurde im Handel verdient, im Front Office. Dort saßen die adrenalingetriebenen Supermänner - es sind tatsächlich zur großen Mehrheit Männer. (Hat übrigens irgend jemand irgendwann einmal von einer betrügerischen Händlerin gehört? Egal ob Jérôme Kerviel oder Nick Leeson, es scheint immer das starke Geschlecht zu sein, das auf die schiefe Bahn gerät).

Im Front Office machten die Händler Milliarden für die Banken und kassierten dafür die dicken Boni. Die Kollegen, die im Back Office die Risiken im Auge behalten sollten, galten oft genug nur als Störenfriede, Verhinderer und Stimmungstöter, kurzum als die Aschenputtel auf der großen Party an den Märkten.

Doch vielleicht ändern sich die Zeiten ja, vielleicht werden aus den Aschenputteln ja bald die neuen Prinzessinnen. Denn zumindest eines müssten die Banken aus der Krise gelernt haben, dass man den hochfliegenden Versprechen der eigenen Händler nicht immer trauen sollte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%