City Talk
Keine Tabus mehr

Die Kreditkrise erschüttert weltweit die Märkte. Die Banken brauchen dringend Geld, um ihre Löcher in der Bilanz zu stopfen. Selbst die Hilfe der Staatsfonds, die etliche Milliarden in die maroden Finanzhäuser pumpten, reicht nicht aus. Wie geht es nun weiter?

Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld? Bei dieser überhaupt nicht karnevalesken Frage dürfte den Finanzaufsehern rund um den Globus der kalte Angstschweiß auf die Stirn treten. Allein die 20 größten Geschäftsbanken dieser Welt mussten in den vergangenen Monaten 170 Mrd. Dollar auftreiben, um wenigstens notdürftig die Löcher in der Bilanz zu flicken, die die Kreditkrise gerissen hat. Und das dürfte noch lange nicht das Ende sein.

Zuerst waren es die reichen Staatsfonds aus Asien und dem Nahen Osten, die etliche Milliarden in die maroden Finanzhäuser pumpten, und damit das Weltfinanzsystem vor dem Kollaps oder doch zumindest vor massiven Erschütterungen bewahrt haben. Aber wurden die mutigen Investoren für ihren Einsatz belohnt? Nein, die Staatsfonds sitzen heute auf hohen Verlusten aus ihrem Rettungseinsatz, weil die Kurse der Banken mit jeder neuen Runde auf dem großen Krisenkarussell weiter abschmierten.

Die Banken brauchten aber noch mehr Geld, also pumpten sie ihre Aktionäre an und warfen neue Anteilsscheine zum Discount-Preis mit einem saftigen Rabatt auf den Markt. Doch auch diese Strategie ging nicht immer auf. Bei einigen britischen Banken fielen die Kurse so schnell, dass selbst Rabatte von 40 Prozent und mehr bald aufgezehrt waren. Am Ende werden diese gefährdeten Kapitalerhöhungen mit Hängen und Würgen doch über die Bühne gehen. Vor allem weil die Finanzaufseher im Hintergrund sanften Druck auf den Rest der Branche ausüben, sich an den Not-Platzierungen zu beteiligen - frei nach Marlon Brando in seiner Paraderolle als Gangsterboss im Mafia-Drama "der Pate", "ich habe ihnen ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen können".

Was aber, wenn der Kapitalhunger der Banken nach der zweiten Runde noch immer nicht gestillt ist? Wer wird dann noch bereit sein, gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen? Vielleicht wird es Zeit, sich an die japanische Bankenkrise Anfang der 90er-Jahre zu erinnern. Damals war es der Staat, der am Ende die Geldhäuser mit Eigenkapital stützen musste. Spätestens nach der Rettung der halbstaatlichen US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac durch die US-Regierung dürfte diese Lösung auch in der aktuellen Krise nicht mehr undenkbar sein. Die Zeiten, als es noch Tabus in der Finanzwelt gab, sind wohl endgültig vorbei.

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