City Talk
Komplott der Alten

Ab dem 1. Oktober wird in Großbritannien ein neues Antidiskriminierungsgesetz gelten. Ab dann ist es strikt verboten, Arbeitnehmer wegen ihres vorgerückten Alters zu benachteiligen. Was zunächst vor allem nach Fördermaßnahme für ältere Langzeitarbeitslose klingt, könnte tatsächlich für interessante und unterhaltsame Rechtsstreitigkeiten sorgen.

„Ich bin viel zu alt, um in den Ruhestand zu gehen“, klagte der britische Bergsteiger, Skipionier und Schriftsteller Arnold Lunn, als er die achtzig bereits überschritten hatte. Der nimmermüde Lunn könnte zum großen Vorbild für die leitenden Angestellte in der Londoner City werden.

Viele britische Banken und Firmen Altersgrenzen für ihre Top-Kräfte gezogen. Doch Managern fällt der Abschied von der Macht mindestens so schwer wie Politikern.

Für Lord Browne, den 58-jährigen Chef des Ölmultis BP, tun sich mit dem Gesetz jedenfalls ganz neue Möglichkeiten auf. Vor einigen Wochen musste Browne dem Druck seines Aufsichtsratschefs nachgeben und versprechen, mit 60 in Rente zu gehen. Vielleicht bereiten Brownes Anwälte ja jetzt eine Diskriminierungsklage vor?

Tatsächlich sehen Londoner Kanzleien bereits ein „Methusalem-Komplott“ auf die City zukommen. Könnte doch jeder Banker oder Manager über 50, dessen Vertrag nicht verlängert oder aufgelöst wird, den Seniorenpass zücken und klagen. Der Arbeitgeber müsste dann erst einmal beweisen, dass nicht das Alter, sondern Fähigkeit beziehungsweise Unfähigkeit das wahre Problem ist.

Für deutsche Ohren mag das noch abstrus klingen. Aber eine Untersuchung der Personalberatung CM Murray ergab tatsächlich, dass 80 Prozent der befragten Firmen erwarten, dass das Antidiskriminierungsgesetz massive Auswirkungen auf die Methoden haben wird, mit denen Banken und Unternehmen sich von Managern trennen. So könnten am Ende zum Beispiel die Abfindungspakete für geschasste Manager noch üppiger ausfallen als ohnehin, um Diskriminierungsklagen zu verhindern.

Vielleicht muss die City aber auch einfach seniorenfreundlicher werden, ganz nach dem Vorbild des Schriftstellers A. A. Milne. Der Erfinder von „Puh der Bär“ definierte die mittleren Jahre einmal als , „jenes wunderbare Alter zwischen zwanzig und neunzig“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%