City Talk
Kopf hoch, England

Sind die Briten ein Volk von Verlierern, und das womöglich auch noch gerne, zumindest unterbewusst? Passt zur englischen Volksseele nicht tatsächlich die Rolle des tragisch Gescheiterten besser als der marktschreierische Triumph des Siegers? An Indizien mangelt es nicht.

Formel-1-Star Lewis Hamilton hat den Weltmeistertitel schon fast in der Tasche, um ihn dann in nur zwei Rennen wieder zu verschenken. Bei der Rugby-WM kämpfen sich die Briten nach einer völlig verkorksten Vorrunde noch bis ins Finale, nur um sang- und klanglos zu verlieren. Und dann ist da natürlich die Fußball-Nationalelf, die so hochnotpeinlich an der Qualifikation für die Europameisterschaft 2008 scheiterte. Allein die Tatsache, dass man mit Steve Mclaren den wahrscheinlich fadesten und farblosesten Fußballlehrer auf der Insel zum Nationalcoach machte, spricht dafür, dass die Engländer in tiefster Seele eigentlich verlieren wollten. Schließlich kann man sich nur als Verlierer am nächsten Tag in genüsslicher Selbstzerfleischung üben.

Was das Ganze mit den Finanzmärkten zu tun hat? Auch hier scheinen die Briten gerade ein fast schon gewonnen geglaubtes Spiel wieder aus der Hand zu geben. London war auf bestem Wege, New York als Weltfinanzzentrum abzulösen. Doch in diesem Jahr sieht es so aus, als würden Börsenkandidaten an der Wall Street wieder mehr Geld einsammeln als an der Themse.

Kippt die Partie tatsächlich? Zumindest beweist die neue Statistik, dass mit New York immer noch zu rechnen ist, zumal nach der Subprime-Krise die Karten im internationalen Finanzmonopoly neu gemischt werden. Aber gerade das sollte der City Mut machen. Natürlich hat auch der Ruf von London unter den Verwerfungen gelitten, aber das Epizentrum der Subprime-Krise liegt eindeutig in den USA; dort leiden die Finanzhäuser am stärksten unter den Turbulenzen. Auch den Briten droht 2008 eine empfindliche Abkühlung der Konjunktur, aber immerhin müssen sie nicht wie die Amerikaner mit einer Rezession rechnen.

Grund zur Schadenfreude hat die City angesichts der desolaten Lage an den Märkten sicher nicht, aber die Position von London sieht ziemlich stark aus, zumindest relativ zu New York gesehen. Also jetzt bloß nicht aufgeben, und den Vorsprung aufgeben. "Come on England".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%