CITY TALK
Langer Atem erforderlich

Im Jahr 1786 gründete Hinrich Kleinwort in Norddeutschland ein Unternehmen, das den Handel mit England finanzieren sollte, 69 Jahre später eröffnete sein Sohn Alexander in der Lombard Street, im Herzen der Londoner City, eine Zweigstelle. Dieses Londoner Büro war die Keimzelle, aus der einmal die Merchant-Bank Kleinwort Benson entstehen sollte. Ein stolzer Name in der Finanzmetropole an der Themse, zumindest bis 1995. In diesem Jahr schluckte die Dresdner Bank Kleinwort Benson, bevor sie selbst vom Versicherungsriesen Allianz aufgekauft wurde. Seither entwickelte sich die Kleinwort-Geschichte zum Trauerspiel, dessen Ende naht.

Nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank wollen die neuen Eigentümer das Investment-Banking, wie man hört, radikal zusammenstreichen. So richtig kann man es den Commerzbankern nicht verübeln, dass sie sich auf kein neues Abenteuer einlassen wollen, haben sie sich doch selbst vor gar nicht langer Zeit im Kapitalmarktgeschäft eine blutige Nase geholt. Woran aber liegt es, dass Dresdner und Commerzbank im Investment-Banking so unglücklich agieren, während die Deutsche Bank eine Erfolgsgeschichte schreibt?

Neben Expertise und Fortune braucht eine Investmentbank vor allem drei Dinge: Mut, Kapital und Durchhaltevermögen. In allen drei Kategorien verdienen Dresdner und Commerzbank nur die Note mangelhaft. Investment-Banking zeichnet sich durch zwei Charakteristika aus: hohe Fixkosten und enorme Volatilität. Der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Plattform ist teuer, und nur, wer auch in schlechten Zeiten zu dem Engagement steht, wird sich auf Dauer im brutalen Wettbewerb durchsetzen.

Commerzbank und Dresdner begingen mehr als einmal den Fehler, in Boomzeiten viel Geld in die Hand zu nehmen, um ihr Kapitalmarktgeschäft auf Touren zu bringen, nur um in der Krise Strategie und Investitionen wieder infrage zu stellen. Ein Weg, der ins Desaster führt.

Wie man es besser macht, zeigt die Deutsche Bank. Vor 20 Jahren traf der damalige Vorstandschef Hilmar Kopper die Entscheidung, in großem Stil ins Investment-Banking einzusteigen; seither halten die Frankfurter unbeirrt an dieser Strategie fest. 1990 schluckte die Deutsche die Londoner MerchantBank Morgan Grenfell. Ein Name, der in der City kaum noch Wehmut hervorruft; vor allem, weil die Deutsche Bank hier ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte schrieb.

maisch@handelsblatt.com

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