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Letzte Ausfahrt Zynismus

Jetzt ist es fast genau ein Jahr her, dass die Währungshüter in den Vereinigten Staaten und in Europa 100 Milliarden Dollar in die Märkte pumpten, um das Finanzsystem vor ernstem Schaden, oder sogar vor dem Kollaps zu bewahren. Spätestens seit jenem 13. August (allerdings kein Freitag, sondern ein Montag) war klar, dass die Kreditkrise keine kurze Episode in der Finanzgeschichte bleiben würde.

Jetzt ist es fast genau ein Jahr her, dass die Währungshüter in den Vereinigten Staaten und in Europa 100 Milliarden Dollar in die Märkte pumpten, um das Finanzsystem vor ernstem Schaden, oder sogar vor dem Kollaps zu bewahren. Spätestens seit jenem 13. August (allerdings kein Freitag, sondern ein Montag) war klar, dass die Kreditkrise keine kurze Episode in der Finanzgeschichte bleiben würde.

Wie tiefe Risse das Beben in den Fundamenten der Weltwirtschaft hinterlassen würde, ließ sich damals allerdings noch nicht absehen. Im August vergangenen Jahres hatten noch die Durchhalteparolen Hochkonjunktur. Für Michel Pérétié, Europa-Chef des Wall-Street-Hauses Bear Stearns waren die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten nichts anderes als eine "heilsame Korrektur", die sein Arbeitgeber ohne große Probleme überstehen würde.

Pérétié hat sich bekanntlich getäuscht, Bear Stearns ist inzwischen Geschichte. Das lässt sich von der Finanzkrise selbst leider noch lange nicht sagen. Eine neue Untersuchung der Beratungsgesellschaft Greenwich Associates kommt zu dem beunruhigenden Ergebnis, dass die Mehrheit der befragten Großinvestoren innerhalb der nächsten sechs Monate mit dem Kollaps einer weiteren großen Bank rechnet.

Damit würde dann eine neue Runde im scheinbar ewigen Kreislauf der Kreditkrise eingeläutet. Komplett mit Kurssturz, explodierenden Risikoaufschlägen, austrocknender Liquidität und allen weiteren inzwischen hinlänglich bekannten Angstsymptomen.

Und wo soll das alles enden? Die ersten Experten flüchten sich in den Zynismus. Bruno Paulson, Analyst beim Broker Sanford C. Bernstein, riet vor kurzem allen Anlegern, sorgfältig zu prüfen, ob sie wirklich schon bereit seien, die mit britischen Bankaktien verknüpften Risiken einzugehen. Wer diese Frage mit einem klaren "Nein" beantworte, könne sein Geld ja noch immer in Versicherungspapiere stecken, die als besonders konservativ gelten. Wer allerdings noch pessimistischer sei, dem bleibe eigentlich nur noch eine Investmentalternative: Ein Berg Konservendosen, eine Schrotflinte und eine einsame Hütte in den Bergen von Montana.

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