City Talk
Lustreise oder Fluchtweg?

Woran erkennt man eine gefährliche Übertreibung an den internationalen Finanzmärkten? Daran, dass die Kurse aller möglichen Vermögenswerte in den Himmel schießen? Nicht unbedingt.

Vielleicht erkennt man eine gefährliche Übertreibung an den internationalen Finanzmärktendaran, dass sich die Händler in den Himmel schießen lassen. Glaubt man der gewöhnlich gut informierten Londoner Abendzeitung Evening Standard, dann wird der erste Wertpapierhändler im All auf den Namen Per Wimmer hören. Der Däne hat als einer der Ersten eine Reise bei Virgin Galactic gebucht. Die Firma des britischen Tycoons Richard Branson will ab 2009 Touristen mit neu entwickelten Raumschiffen in den Weltraum schicken.

Wimmer und eine Hand voll weiterer Händler aus der Londoner City haben sich schon einmal eines der 200 Tickets für den Schnäppchenpreis von 200 000 Dollar pro Stück gesichert – man weiß ja wie groß der Andrang bei solchen Pauschalreisen werden kann. „Ich habe den Trip wie ein Finanzgeschäft analysiert“, sagt der abenteuerlustige Däne. Die Risiken des Weltraumflugs seien verglichen mit dem emotionalen Gewinn, den die Erfüllung eines großen Traumes beschere, vernachlässigbar.

Wo arbeitet ein Typ wie Wimmer wohl? Richtig, bei einem Hedge-Fonds, genauer gesagt bei der Londoner Man Group. In einer Branche also, in der die Chefs der allerbesten Fonds mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr verdienen. Damit könnte man sich 20 000 Mal in den Weltraum und wieder zurück befördern lassen. Das dürfte aber selbst den Magen eines robusten Typen wie Wimmer, der bereits den Amazonas bereist hat, überfordern.

Sind die exotischen Trips ins große Vakuum über uns tatsächlich nur der letze Schrei für eine Kaste superreicher Banker, denen der jahrelange Boom an quasi allen Kapitalmärkten so viel Geld beschert hat, dass sie nicht mehr wissen, welche Extravaganz sie sich als nächstes leisten sollen? Wenn dem so wäre, könnte die Lust auf Fernreisen in die nähere Umgebung der Erde tatsächlich ein Indiz für beginnende Dekadenz und damit einhergehende Verfallserscheinungen sein – die Älteren unter uns werden sich an die Spätphase des Neuen Marktes erinnern.

Vielleicht sind solche Vergleiche aber auch unfair. Vielleicht suchen die Händler ja nur nach dem ultimativen Fluchtweg, falls ihre komplexen Deals doch einmal schief gehen sollten.

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