City talk
Nichts als Ärger

Prognosen sind eine ausgesprochen undankbare Sache. Noch vor wenigen Wochen läuteten die Experten mit großem Überschwang die Endrunde in der Konsolidierung des europäischen Bankgewerbes ein. Seither ist jede Menge passiert.

Die Übernahme der niederländischen Traditionsbank ABN Amro durch den britischen Konkurrenten Barclays sollte endlich die seit langem erwartete (und prognostizierte) große Fusionswelle im Geldgewerbe auslösen. Seither ist jede Menge passiert. Die Royal Bank of Scotland hat sich mit zwei Partnern zusammengerottet, um Barclays zu überbieten und ABN Amro unter sich aufzuteilen. Dann fällte ein niederländisches Handelsgericht ein Urteil, das zwar die Rechte der vernachlässigten niederländischen Aktionäre stärkt, aber die größte Übernahmeschlacht der Finanzgeschichte endgültig ins juristische Chaos stürzte.

ABN darf ohne Zustimmung der Eigentümer nicht wie geplant seine amerikanische Tochter La Salle an die Bank of America verkaufen. Mit diesem Kniff wollten die Niederländer den unerwünschten Annäherungsversuch der Royal Bank of Scotland und deren Partnern abwehren, weil die Schotten vor allem am US-Geschäft von ABN interessiert waren. Nach dem Amsterdamer Urteil klagt jetzt die Bank of America auf viele Milliarden Schadensersatz, weil ABN versichert habe, die Aktionäre müssten den Verkauf gar nicht absegnen.

So weit, so verworren. Inzwischen traut sich wohl keiner mehr, den Ausgang des mittlerweile 72 Milliarden Euro schweren Übernahmekampfes vorherzusagen.

Eine Prognose könnte man bei aller nötigen Bescheidenheit aber doch wagen: Die scheinbar endlose Saga um das Schicksal von ABN Amro taugt nicht als Katalysator für weitere große Übernahmen in Europa. Im Gegenteil: Der Abschreckungseffekt der immer chaotischeren Bieterschlacht auf prinzipiell fusionswillige Vorstandschefs dürfte beträchtlich sein.

Wer seine Bank auf viele Monate hinaus lähmen und in endlose nervenaufreibende juristische Streitereien verwickeln will, für den gibt es offenbar kein besseres Rezept als eine internationale Übernahme im Wert von möglichst vielen Milliarden anzukündigen.

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