City Talk
Nur Fliegen ist schlimmer

Jetzt hat es London nach vielen Jahren der Mühe und des Schweißes endlich geschafft, den Erzfeind New York als Finanzmetropole zu überholen, schon steht das so hart Erkämpfte wieder auf dem Spiel - nur weil die britische Hauptstadt per Flugzeug quasi nicht mehr erreichbar ist, oder zumindest nicht, wenn man Wert darauf legt, zeitgleich mit seinem Gepäck anzukommen.

Die bittere Klage über den erbärmlichen Zustand des Flughafens Heathrow, der für 45 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt ist, aber von 70 Millionen Fluggästen überrollt wird, hat sich zum Lieblingssport von Bankern, Anwälten und sonstigen Geschäftsleuten in der City entwickelt. Dieses Monster von einem Airport sei schuld, wenn Manager in Zukunft einen großen Bogen um London machten. Schließlich seien die stundenlangen Warteschlangen und die Berge von hoffentlich nur vorübergehend herrenlosen Koffern keinem modernen Geschäftsreisenden zuzumuten.

Jeder in der City hat seine eigene Heathrow-Horrorgeschichte auf Lager, zum Beispiel die von dem armen Investmentbanker, der nach einer Stunde Flugzeit von Amsterdam wieder die britische Heimaterde betrat, nur um dort in den heruntergekommenen Hallen des Airports neun Stunden auf sein Gepäck zu warten.

Dabei müsste Heathrow eigentlich funktionieren wie eine gut geölte Maschine, schließlich ist die Betreibergesellschaft BAA seit vielen, vielen Jahren privatisiert, und das sorgt ja bekanntlich für mehr Effizienz. Im Falle des größten europäischen Flughafens trifft das leider nicht ganz zu. Denn BAA ist nicht nur privatisiert sondern auch Quasi-Monopolist. Die Gesellschaft verwaltet nicht nur das Chaos in Heathrow, sondern ist auch für die Flughäfen Gatwick und Stansted verantwortlich. Die Gleichung ist simpel: Kein Wettbewerb, kein Anreiz für Investitionen, um die Abfertigung schneller und effektiver zu machen. Da hilft am Ende wohl nur die Zerschlagung des BAA-Monopols - und tatsächlich denken die britischen Wettbewerbsbehörden genau darüber nach. Die City würde es ihnen auf jeden Fall danken.

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