City Talk
Olympische Krise

Dass London im Jahr 2012 Gastgeber der Olympischen Spiele sein wird, ist für die britische Hauptstadt von großer Bedeutung. Ein Bericht zum Stand der Olympia-Vorbereitungen kommt allerdings zu dem Schluss, dass den Organisatoren der Spiele die Finanzen aus den Fingern zu gleiten drohen. Gerät das Prestigeobjekt in den Sog der Kreditkrise?
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Der Autor dieser Zeilen hat nicht nur das Glück, in London zu arbeiten. Er hat auch das noch sehr viel größere Glück, dass sein Zuhause nur eine U-Bahnstation von seinem Arbeitsplatz entfernt liegt. In der Pendlerhölle namens London ist das ein geradezu paradiesisches Privileg.

Aber auch das Paradies ist nicht mehr das, was es einmal war. Die Verkehrsbetriebe in der britischen Hauptstadt schaffen es ohne Probleme und in schöner Regelmäßigkeit, eine fünfminütige Fahrt zwischen zwei U-Bahnstationen in eine dreiviertelstündige Abenteuerreise zu verwandeln - einmal ist ein im Tunnel liegen gebliebener Zug der Grund, das nächste mal ein kaputtes Gleis. In solchen Momenten fragt man sich, ob es wirklich so eine brillante Idee war, die Olympischen Spiele 2012 an die britische Hauptstadt mit ihrer mehr als maroden Infrastruktur zu vergeben.

Dabei ist das notorische Verkehrschaos noch nicht einmal die größte Bedrohung für die Spiele an der Themse, denn auch das Prestigeprojekt Olympia ist in den scheinbar alles verschlingenden Sog der großen Kreditkrise geraten - genauer gesagt die Baufirmen, die das olympische Dorf für die Athleten bauen sollen. Die Unternehmen wollten einen Teil ihrer Investitionen über die Ausgabe von Anleihen finanzieren. Aber alles was mit Immobilien zu tun hat, ist leider Gottes bei den Anlegern auf der Insel derzeit in etwa so beliebt, wie eine Kakerlakenplage in einem Luxusrestaurant.

Die Finanzkrise hat Immobilienentwicklern, die sich in Großbritannien engagieren, dramatische Kursverluste beschert. Lend Lease, das australische Unternehmen, das federführend für die Entwicklung des olympischen Dorfes verantwortlich ist, verlor innerhalb von zwölf Monaten rund die Hälfte seines Börsenwertes. Kein Wunder, dass in dieser Woche ein Bericht zum Stand der Olympia-Vorbereitungen zu dem wenig erbaulichen Schluss kommt, dass den Organisatoren der Spiele die Finanzen aus den Fingern zu gleiten drohen.

Die Kreditkrise macht eben vor nichts und niemandem halt, auch nicht vor olympischen Dörfern. Aber vielleicht können die Athleten ja in den Bankentürmen im Londoner Finanzviertel übernachten. Dort werden angesichts der nicht abebbenden Entlassungswelle immer mehr Zimmer frei.

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