City Talk
Propheten für jedermann

Sind wir alle dem Untergang geweiht, oder leben wir in der besten aller Welten? Verlieren wir bald unser gesamtes Hab und Gut, oder genießen wir unser Dasein in Saus und Braus? Egal ob notorischer Schwarzmaler oder himmelhochjauchzender Optimist: Die Finanzmärkte haben derzeit für jede Stimmungslage den passenden Guru parat.

In der vergangenen Woche verabschiedete sich Anthony Bolton, legendärer Fondsmanager des Vermögensverwalters Fidelity nach einer 25jährigen Karriere aus der Londoner City. Doch statt zum Abschied leise Servus zu sagen, nutzte Bolton die Gelegenheit, um die Bühne mit einem lauten Knall zu verlassen. Bolton prophezeit nicht nur das nahe Ende des inzwischen seit Jahren lieb gewonnenen Aufschwungs an den Aktienbörsen, er warnt auch vor einer gefährlichen Blase am überschäumenden Markt für Fusionen und Übernahmen.

Wem soviel Pessimismus auf den Magen schlägt, für den hat Peter Oppenheimer, Aktienstratege der Investmentbank Goldman Sachs das passende Gegenmittel parat.Oppenheimer untersucht zwar die gleichen Märkte wie Bolton, kommt aber zu einer ganz anderen Diagnose. Der Goldman-Banker meint, dass der Aktien-Aufschwung gut und gerne noch ein oder zwei Jahrzehnte weiter gehen könnte. Die Globalisierung, der starke Welthandel, der technische Fortschritt und die Wirtschaftskraft der Schwellenländer ergeben zusammen einen Wachstumscocktail, dessen belebende Wirkung noch lange nicht erschöpft ist, meint zumindest Oppenheimer.

Wer wird am Ende Recht behalten? Die Antwort auf die Frage hängt ganz davon ab, ob man wie Bolton an die These einer zweiten industriellen Revolution glauben mag, oder wie Bolton der Meinung ist, dass das, was steigt, auch irgendwann wieder fallen muss. Der Fidelity-Manager hat zumindest bereits die ein oder andere Krise am Aktienmarkt korrekt vorhergesagt – auch wenn man notorischen Schwarzmalern eigentlich die Unterstützung verweigern sollte.

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