City Talk
Reise nach Jerusalem

Jeder ahnt, dass die Party bald vorbei sein wird. Die Stimmung war schon einmal deutlich besser, aber solange noch etwas zu Trinken da ist, will keiner der übermüdeten Gäste wirklich nach Hause gehen. So ähnlich sieht die Lage in der Private-Equity-Industrie aus. Viele fürchten, dass der jahrelange Boom schon bald zu Ende gehen könnte.

Die Frage ist, läuft der jahrelange Boom leise aus, oder endet er mit einem lauten Knall? Werden Banken und Investoren vorsichtiger und halten sich mit Krediten für die Finanzierung immer neuer Übernahmen der Beteiligungsgesellschaften zurück, und verhelfen dem heiß gelaufenen Markt damit zu einer zumindest halbwegs weichen Landung? Oder geht die große Party mit einem handfesten Skandal zu Ende, weil alle kurz vor Schluss noch einmal einen großen Schluck aus der Pulle nehmen wollen?

"Solange die Musik läuft, muss man dazu tanzen", sagte vor einigen Tagen Chuck Prince, der Chef der weltgrößten Bank Citigroup. Will heißen, solange noch genug Liquidität im Markt ist, muss man die Lage ausnutzen, um so viele gute Geschäfte wie möglich zu machen. Und bislang sieht Prince kaum Ermüdungserscheinungen bei der Band.

Die Musik spielt tatsächlich noch immer. Zwar sagten die Investoren zuletzt "nein" zu einigen besonders riskanten Übernahmefinanzierungen. Aber dabei ging es eher um die Konditionen als um eine grundsätzliche Neubewertung der Risiken. Noch sind die Anleger offenbar bereit, den großen Beutezug der Beteiligungsgesellschaften weiter zu finanzieren.

Aber erinnert die Aussage von Citigroup-Chef Prince zur Musik, zu der man tanzen muss, solange sie noch spielt, nicht sehr an das alte Party-Spiel "die Reise nach Jerusalem"? Dabei gibt es ja am Ende ausnahmslos einen großen Verlierer, wenn die Musik plötzlich stoppt, der große Ringelreih aufhört und alle in wilder Flucht um einen Sitzplatz als sicheren Hafen rangeln. So ganz trägt die Analogie zur Private-Equity-Welt allerdings nicht. Sollte die Blase tatsächlich platzen, gäbe es mit Sicherheit mehr als einen Verlierer.

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