City Talk
Reizvolle Schulden

Schulden sind in der Regel eine unangenehme Sache, erst recht, wenn man sie nicht zurückzahlen kann. Bankrott, Pleite, Konkurs – hässliche Worte für finanzielle Katastrophen. Schulden können aber auch Basis für ein lukratives Geschäftsmodell sein, zumindest die Schulden anderer Leute, respektive anderer Unternehmen.

LONDON. Londoner Investmentbanken geben zurzeit viel Geld für Fachkräfte aus, die sich mit Umschuldungen und der Rettung geplatzter Kredite auskennen. Goldman Sachs, Barclays Capital, Bank of America, Close Brothers, Lazard oder Rothschild – alle investieren in „Distressed Debt“, wie Banker das Geschäft mit den schlechten Schulden nennen.

Zyniker könnten argumentieren, dass die Investmentbanken jetzt endlich die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Als Berater helfen sie bei der Anbahnung von Übernahmen, dann arrangieren sie die Finanzierung. Und wenn die Sache schief geht, verdienen sie an der Umschuldung erneut. „One Stop Shop“, nannten das die Wachstumsunternehmen des Neuen Markts.

Das Geschäft mit den schlechten Schulden ist äußerst heikel und steckt voller potenzieller Interessenkonflikte. Es liegt auf der Hand, dass Banken, die selbst zu den Gläubigern gehören, nicht als Schiedsrichter bei der Umschuldung auftreten können. Was aber ist mit Geldhäusern, die ein in Not geratenes Unternehmen beim Verkauf von Anleihen, Aktien oder einer teuren Übernahme beraten haben?

Die Glaubwürdigkeitsprobleme sind vielfältig und komplex, werden die Banken am Ende aber sicher nicht davon abhalten, mit „Distressed Debt“ Geld zu verdienen – wenn es denn welches zu verdienen gibt. Zurzeit bewegt sich die Zahl der Firmen, die ihre Schulden nicht bedienen auf historischen Tiefständen, und das dürfte zumindest noch eine Weile so bleiben.

Der Massenandrang in das Geschäft mit Distressed Debt zeigt aber, dass diese Weile kürzer ausfallen könnte als vielfach vermutet. Gerade ein bis zwei Jahre ist es her, dass die Universalbanken ihre Bilanzen aufgeräumt haben. Nach der aktuellen Schönwetterperiode könnten sie ihre Bücher schon bald wieder mit faulen Krediten füllen. Einige Hedge-Fonds halten angesichts der Investitionen der Banken jedenfalls bereits Kapital zurück, um interessante Anlagemöglichkeiten bei Firmen in akuter Geldnot zu nutzen.

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