CITY TALK
Royale Misere

Vor der großen Krise sind alle gleich. Nicht nur die britischen Reihenhausbesitzer stöhnen unter der Doppellast von Kreditklemme und galoppierender Inflation. Auch die Queen kommt hinten und vorne nicht mehr hin mit ihrem Geld. Die Preise auf der Insel steigen so schnell, dass die Apanage der Monarchin nicht mehr ausreicht, um ihre vor sich hin bröckelnden Paläste zu renovieren.

Im Buckingham Palace müsste dringend einmal wieder gestrichen werden, und im Stammschloss Windsor regnet es fast schon durch die Decke. Angesichts des angespannten Staatshaushaltes und der Herausforderungen der Finanzkrise hat die Labour-Regierung den Fonds für die Instandhaltung der königlichen Paläste aber für drei Jahre eingefroren - was ein hässlichen Loch von 32 Millionen Pfund in die Haushaltskasse der Monarchin reißt.

Aber warum soll es der Königin besser gehen als ihren Untertanen. Der Mix aus Inflation, überschuldeten Verbrauchern und einem drohenden Immobiliencrash könnte sich als fataler Cocktail für die britische Wirtschaft entpuppen. Immer öfter ziehen Volkswirte die letzte große Rezession Anfang der 90er Jahre als Vergleichsamaßstab für die heutige Lage auf der Insel heran. Und immer schwerer fällt es, solch düstere Prognosen als Unkenrufe notorischer Pessimisten abzutun.

Mangelnde Solidarität mit ihrem geplagten Volk kann man Ihrer Majestät sicher nicht vorwerfen. Dennoch darf die Queen nicht unbedingt auf das Wohlwollen ihrer Untertanen hoffen. Der linke Journalist Mick Hume forderte die Briten vor wenigen Tagen auf, sich den Himalajastaat Nepal zum Vorbild zu nehmen. Der habe sich vor einem Monat zur unabhängigen säkularen und demokratischen Republik erklärt und seiner Königsfamilie 14 Tage Zeit gegeben, ihren Palast zu räumen - der dann ohne viel Federlesens in ein Museum umgewandelt wurde.

Humes antiroyalistischer Ausfall ist nicht weiter erstaunlich, was will man vom ehemaligen Chefredakteur einer Zeitschrift namens "Lebendiger Marxismus" erwarten? Aber die Tatsache, dass ausgerechnet die ebenso konservative wie königstreue "Times" die Kolumne veröffentlichte, gibt zu denken. Dabei bieten die Royals ihrem Volk doch jede Menge gute Unterhaltung und das zum Schnäppchenpreis. 85 Millionen Pfund kosteten die Windsors den Steuerzahler im vergangenen Jahr - gerade einmal 1,40 Pfund pro Kopf.

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