City Talk
Scheidung auf britisch

Wem geht es noch schlechter als der Finanzindustrie? Der Labourregierung des britischen Premierministers Gordon Brown. Der Witz, der derzeit in der Londoner City kursiert, mag nicht besonders originell sein, aber er bringt die Sache auf den Punkt. Browns Kabinett kämpft mit einer langen und scheinbar endlosen Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Besonders einem scheint das Pech an den Stiefeln zu kleben - Finanzminister Alistair Darling, der schon lange nicht mehr der Liebling der City ist.
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Den Beinahekollaps des Baufinanzierers Northern Rock und das Chaos danach hätten die Banker Darling vielleicht noch verziehen, aber dann beging der Minister zwei entscheidende Fehler. Darling will die Kapitalertragsteuer erhöhen, und er will Ausländer, die in Großbritannien ihr Geld verdienen, härter an die Kandare nehmen. Beide Steuerknüppel sollten vor allem die Private-Equity-Manager treffen, von denen einige offen zugeben, dass sie weniger Steuern als ihre Putzfrau zahlen. Natürlich wäre es durchaus sinnvoll, wenn Private Equity ein wenig mehr zum Gemeinwohl beitragen würde. Aber leider treffen Darlings Pläne eben nicht nur die Beteiligungsgesellschafen sondern die gesamte Finanzszene. Und da hört für die Banker der Spaß auf.

Also startete die City eine gewaltige PR-Kampagne, um Darlings Pläne in letzter Minute zu verhindern. Nicht nur europäische Private-Equity-Manager, auch griechische Reeder und amerikanische Hedge-Fonds-Manager drohten mit dem kollektiven Exodus aus London. Fast sah man das Finanzzentrum schon öde und verlassen vor sich hingammeln. Aber vielleicht ist London ja doch noch zu retten. Immerhin rudert Darling in beiden Steuerfragen inzwischen kräftig zurück. Aber trotz des Einlenkens in letzter Sekunde scheint die lange Liebesaffäre zwischen Labour und der City endgültig beendet. Zu viel Porzellan wurde zerbrochen; das Verhältnis ist hoffnungslos zerrüttet. Da hilft es wenig, dass Darling seine Steuerpläne eigentlich nur von den Konservativen abkupferte.

Für den Finanzplatz London sind das alles traurige Nachrichten, denn der Aufstieg der City in den vergangenen Jahren verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass Banker und Regierung an einem Strang zogen, wenn es darum ging, internationales Kapital anzulocken.

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