City Talk
Schlechte Welt

Die HSH Nordbank hat beim Obersten Gericht in New York eine Schadenersatzklage gegen die schweizerische Großbank UBS eingereicht - was natürlich über Schuld oder Unschuld der UBS nichts aussagt. Aber dem ohnehin schon ziemlich ramponierten Image der deutschen öffentlichen Banken am Finanzplatz London tut die Aufregung um die Norddeutschen nicht gut.
  • 0

"Natürlich hab? ich leider recht, die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht", lässt Bertolt Brecht den Bettlerkönig Peachum in seiner Dreigroschenoper singen. Nicht unbedingt ein sehr positives Menschenbild, aber manchmal kann man ja wirklich an der Schlechtigkeit der Welt und des Menschen verzweifeln. So empfinden vielleicht auch die Manager der HSH Nordbank, die gerade die Schweizer Großbank UBS verklagen, weil sie die Nordlichter angeblich bei Geschäften mit komplexen Kreditderivaten über das Ohr gehauen hat.

Wieder einmal geht es um so genannte Collateralized Debt Obligations (CDOs), Portfolios also, in denen Kreditrisiken zuerst gebündelt und dann in Risiko-Tranchen aufgeteilt werden, und die in der Kreditkrise bereits so viel Leid über die Finanzwelt gebracht haben.

Egal ob die HSH am Ende mit ihren Vorwürfen recht behält, mutig ist die Klage auf jeden Fall, gibt die Landesbank damit doch ziemlich offen zu, dass sie gar nicht so genau verstanden hat, was sie damals zusammengekauft und welche Risiken sie sich mit den Kreditderivaten aufgeladen hat.

Das ist um so überraschender, als die HSH schon einschlägige Erfahrungen mit der Schlechtigkeit der CDO-Welt und ihrer zwielichtigen Bewohner gemacht hat. Bereits 2002 wollte der damalige Vorstandschef Alexander Stuhlmann die Großbank Barclays vor den Kadi zerren, weil die Briten die Landesbank bei ganz ähnlichen CDO-Geschäften über den Tisch gezogen haben sollen.

Über Schuld oder Unschuld der UBS sagt die Klagewut der HSH natürlich gar nichts aus. Aber dem ohnehin schon ziemlich ramponierten Image der deutschen öffentlichen Banken am Finanzplatz London tut die Aufregung um die Norddeutschen natürlich nicht gut. Nach dem Boxclever-Skandal der WestLB und der Beinahepleite der SachsenLB scheint sich wieder einmal der Ruf der naiven Investoren aus der teutonischen Provinz zu bestätigen, die so gerne mit den großen Jungs mitspielen wollen, aber leider die Regeln nicht ganz verstehen.

Aber das sind natürlich nur üble Vorurteile der böswilligen Briten. Wie es tatsächlich in London zugeht, wissen wir ja spätestens seit der Dreigroschenoper - ein finsterer Tummelplatz von Neppern, Schleppern und Bauernfängern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%