City Talk
Schöne Bescherung

Viele Banken nutzen die Vorweihnachtszeit für eine kleine Entlassungswelle: Bei der jährlichen „Performance Review“ werden die so genannten „Underperformer“ identifiziert und an die Luft gesetzt.

Der Gabentisch ist reich gedeckt. In den kommenden Tagen erfahren 5 000 Angestellte der Investmentbank Goldman Sachs in der Londoner City, was das Christkind ihnen in diesem Jahr beschert. Im Falle von Goldman hört der Weihnachtsmann auf den Namen Lloyd Blankfein – der Vorstandschef soll den Bonussack mit 16 Milliarden Dollar prallvoll gepackt haben. In der Branche wird gemunkelt, dass sich weltweit 50 Goldman-Banker über eine Ausschüttung von mehr als jeweils 25 Millionen Dollar freuen können.

2006 war ein wunderbares Jahr für die gesamte Branche, voller neuer Rekorde, und deshalb müssten eigentlich alle Banker frohlocken. Doch einigen hat ihr Arbeitgeber das Fest gründlich verdorben. Bei Dresdner Kleinwort, der Investmentbankentochter der Dresdner Bank, fanden in der vergangenen Woche Hunderte von Mitarbeitern statt eines dicken Bonus-Schecks die Kündigung in ihrem Postkorb. Auch andere Institute nutzten die Vorweihnachtszeit für eine kleine Entlassungswelle. Denn der Advent ist nicht nur die Zeit, in der die Bonus-Milliarden verteilt werden, sondern bei vielen Banken auch die Zeit der jährlichen „Performance Review“. Ein Ritual, in dessen Verlauf die Geldhäuser regelmäßig zwischen einem und fünf Prozent ihrer Belegschaft als „Underperformer“ identifizieren und an die Luft setzen. Im neuen Jahr werden die Reihen dann mit jungen, ehrgeizigen Uni-Abgängern wieder aufgefüllt.

Die Weihnachtsentlassungen haben außerdem den angenehmen Nebeneffekt, dass man den Geschassten keinen Bonus bezahlen muss. So bleibt mehr, um die in diesem Jahr besonders hohen Erwartungen der Star-Banker zu erfüllen. Die kündigen sonst ihrerseits und wandern zur Konkurrenz ab.

So weit entspricht auch in diesem Jahr alles dem ewigen Kreislauf des Investment-Bankings. Bis auf eines: So gründlich wie 2006 haben die Banken die Leistung ihrer Angestellten schon lange nicht mehr überprüft. Das könnte ein Hinweis sein, dass der Boom seinen Gipfel erreicht, wenn nicht schon überschritten hat. Das wirklich erstaunliche an diesen Ritualen ist aber die Tatsache, dass die Banken überhaupt in der Lage sind, Underperformer zu identifizieren. Denn eigentlich hat ein Investmentbanker keine Schwächen, höchstens „OFIs“ – Opportunities for Improvement.

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