CITY TALK
Spezialisten in Not

Stuart Gulliver scheint ein Optimist zu sein, einer jener Menschen, für die das Glas immer halb voll ist, statt halb leer. Vor einigen Tagen musste der Chef des Investment-Bankings der weltweit drittgrößten Bank HSBC einräumen, dass der Gewinn seines Bereichs in den ersten sechs Monaten 2008 um ein Drittel eingebrochen ist. Doch das konnte Gulliver die Laune nicht verderben, im Gegenteil frohgemut verkündete er, dass den Investmentbankern von HSBC die Zukunft gehöre.

Ganz so rosig mag die Realität zwar nicht aussehen, aber Stuart Gulliver hat ein paar gute Argumente. Zum einen konzentrieren sich seine Banker auf die Emerging Markets, jene Region also, die bislang der weltweiten Kreditkrise noch am ehesten trotzt. Noch wichtiger ist allerdings die Tatsache, dass HSBC Zugriff auf die Spargelder von Millionen Kunden rund um den Globus hat. Angesichts der im Vergleich zu den goldenen Zeiten vor einem Jahr noch immer astronomisch hohen Refinanzierungskosten, ist das ein entscheidender Vorteil gegenüber reinen Investmentbanken, die sich ihr Geld über die noch immer ächzenden und knirschenden Kapitalmärkte besorgen müssen.

Breit aufgestellte Universalbanken wie HSBC, Deutsche Bank oder JP Morgan knabbern zwar auch an den höheren Finanzierungskosten, aber sie müssen für Kapital derzeit ein bis zwei Prozentpunkte weniger bezahlen als spezialisierte Konkurrenten wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder Lehman Brothers. In einem hochkompetitiven Geschäft wie dem Investment-Banking sind das ganze Welten. Sollte sich die Finanzkrise noch länger als dieses Jahr hinziehen, werden die lupenreinen Investmentbanken nicht darum herumkommen, ernsthaft über ihr Geschäftsmodell nachzudenken.

Am Ende dieses Brainstormings könnten die Spezialisten zu dem Schluss kommen, dass es das Beste ist, den Anschluss an eine große Universalbank zu suchen. Viele Investmentbanker sehen die Zeichen in der Branche bereits auf Konsolidierung stehen. Wie gesagt, noch haben Goldman, Lehman und Co reichlich Zeit zum Nachdenken und vielleicht lockert die Krise ja auch bald ihren unbarmherzigen Griff. Aber HSBC-Banker Gulliver hat völlig recht, wenn er die Trümpfe in der Hand der großen

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