City Talk
Teures Gemüse

Vor wenigen Tagen hat die deutsche Immobiliengesellschaft IVG eines der Wahrzeichen der Londoner Skyline gekauft. Jenes markante Hochhaus, das der Volksmund treffend auf den Namen „die Gurke“ taufte. 600 Millionen Pfund ließ sich IVG das Beton-Gemüse kosten. Aber lässt sich damit auch Geld verdienen?

Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt. Vor wenigen Tagen hat die deutsche Immobiliengesellschaft IVG eines der Wahrzeichen der Londoner Skyline gekauft. Jenes markante Hochhaus des Stararchitekten Norman Foster, das der Volksmund ebenso spöttisch wie treffend auf den Namen „die Gurke“ taufte. 600 Millionen Pfund ließ sich IVG das Beton-Gemüse kosten. So viel wurde noch nie für ein Bürogebäude in Großbritannien bezahlt. Prestige und Schlagzeilen bringt der spektakuläre Zukauf mit Sicherheit. Aber lässt sich damit auch Geld verdienen?

Gerade einmal eine Woche, nachdem die Deutschen stolz den Gurkenkauf verkündeten, erklärte British Land, eine der größten Immobilienfirmen auf der Insel, den Büroboom an der Themse für beendet. Die Zeit wachsender Renditen sei wegen steigender Zinsen ein für alle Mal vorbei. In der Finanzszene muss IVG selbst als schlechtes Omen herhalten. Frei nach dem Motto: Der Boom ist endgültig Vergangenheit, wenn die Ausländer kommen und Mondpreise für Übernahmen zahlen.

Ist die 40 Stockwerke hohe Gurke tatsächlich ein Menetekel aus Stahl und Glas für den britischen Immobilienmarkt? Oder hat IVG doch den richtigen Riecher?

Letztlich wetten die Deutschen darauf, dass sich der Finanzplatz London weiter so rasant entwickelt wie zuletzt, als Jahr für Jahr 20 000 bis 30 000 neue Arbeitsplätze in der City entstanden. Tatsächlich stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Wette aufgeht. London hat sich zur zentralen finanziellen Drehscheibe der Welt entwickelt. Die ideale Lage zwischen den amerikanischen und den asiatischen Zeitzone und die robuste Konjunktur in Europa sorgen für stabiles Wachstum. Im Moment sieht es so aus, als könnte einzig ein massiver und lang anhaltender Einbruch an den internationalen Kapitalmärkten den Trend umkehren. Dazu wäre aber schon eine Katastrophe vom Ausmaß der Anschläge vom 11. September oder der großen Technologieblase Ende der 90er-Jahre notwendig.

IVG ist auf jeden Fall nicht der einzige Investor, der bereit ist, die Wette auf London einzugehen. Einige wagen sogar noch größere Einsätze. Nach allem was man hört und liest, erhielten die Deutschen zwar den Zuschlag für die Gurke, das meiste Geld hatte aber ein anderer Bieter auf den Tisch gelegt.

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