City Talk
Überreizte Börsen

Die Börse hat immer Recht, vor allem wenn es um die Börsen geht, sollte man eigentlich meinen. Doch manchmal beschleichen einen doch leichte Zweifel an der Effizienz der Kapitalmärkte.

Das bunte Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel rund um die Flurbereinigung der internationalen Börsenlandschaft hat schon viele Investoren reich gemacht. Die Einsätze im großen Fusionspoker scheinen immer weiter zu steigen, doch gleichzeitig drängt sich der Gedanke auf, dass mehr als ein Spieler sein Blatt überreizt hat.

Die wichtigsten Objekte der Begierde, die Londoner Börse LSE und die Vierländerbörse Euronext, sind heute doppelt so viel wert wie noch vor einem Jahr. Selbst die Deutsche Börse, bislang bei der großen Fusionsparty noch das Mauerblümchen, mit dem keiner tanzen will, hat ihren Aktionären in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal einen Kursgewinn von etwa 50 Prozent beschert.

Doch was steckt hinter diesen Bewertungen – mehr als nur Phantasie, die bis zum nächsten potenziellen Partnertausch im Übernahmereigen reicht?

Eine Antwort auf die Frage gibt das Wortungetüm „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz Mifid. Die Richtlinie der Europäischen Union soll für mehr Wettbewerb auf den Finanzmärkten sorgen und tritt 2007 in Kraft. Pikanterweise erlaubt die Mifid den Banken in direkte Konkurrenz mit den Börsen zu treten, vorausgesetzt, sie machen die intern abgewickelten Geschäfte transparent. Noch weiß keiner, ob Goldman Sachs, Deutsche Bank und Co. die Börsen tatsächlich frontal angreifen werden, aber sie bereiten sich zumindest darauf vor. Vor kurzem haben die wichtigsten europäischen Investmentbanken vereinbart, eine gemeinsame Plattform für die Vermarktung von Kurs- und Handelsdaten außerbörslicher Geschäfte zu schaffen. Eine durchaus glaubwürdige Drohung gegenüber den großen Wertpapiermärkten.

Das Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinnen liegt bei der Londoner Börse derzeit bei satten 45, bei der Euronext sind es noch immer 38. Goldman Sachs wird dagegen derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund elf bewertet, bei der Deutschen Bank sind es sogar nur zehn. Trauen die Investoren den Investmentbanken in Sachen Wertpapierhandel tatsächlich so wenig zu? Oder glauben sie, dass die Börsen tatsächlich immun sind gegen neue Konkurrenten?

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