City Talk
Unreine Gedanken

Manchmal kämpfen auch Investmentbanker mit unreinen Gedanken. Wie zum Beispiel dem, dass Privatisierungen vielleicht doch nicht immer und überall eine gute Sache sind. Hinter der Glaubenskrise steckt das Chaos an den Londoner Flughäfen nach den vereitelten Terror-anschlägen von Mitte August.

Wenn man als Vielflieger noch ungefähr 30 verängstigte Touristen in der Schlange vor den Sicherheitskontrollen vor sich hat, während die wichtige Maschine nach Frankfurt gerade abhebt, dann werden Gewissheiten erschüttert.

Natürlich treiben die Häretiker nicht dumpfe Rachegefühle gegenüber dem Flughafenbetreiber BAA, der für das Funktionieren der Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stansted verantwortlich ist. Nein sie operieren durchaus mit den feinen Instrumenten der Ökonomie. Ihre Argumentation: Weil BAA mittlerweile einen guten Teil seines Umsatzes mit den Einzelhändlern in den Abflughallen macht, hat die Gesellschaft gar kein Interesse daran, die Passagiere so zügig wie möglich durch die Terminals zu schleusen. Denn je länger der Fluggast in tödlich langweiligen Lounges festgehalten wird, desto eher ist er bereit, sein Geld für goldgeränderte Porzellan-Teller mit handgemalter Tower-Bridge auszugeben.

Natürlich ist es erfrischend zu sehen, wenn Überzeugungstäter wie Investmentbanker ihren festen Glauben an das freie Spiel der Marktkräfte einmal auf den Prüfstand stellen. Doch die entscheidende Frage lautet nicht unbedingt, ob BAA heute ein ökonomisches Schreckensregime an den Flughäfen führt, sondern ob die Maschinen damals, in der Zeit vor der Privatisierung, pünktlicher starteten. Eine zugegeben nicht repräsentative Blitzumfrage unter Londonern, die sich noch an die öffentlich-rechtlichen Zeiten in Heathrow erinnern können, kommt zu dem ziemlich eindeutigen Schluss, dass früher nicht alles besser war.

Eine Rückverstaatlichung ist also keine Lösung. Doch Rettung naht, und das sogar auf markwirtschaftlichem Weg. Die britischen Wettbewerbshüter untersuchen bereits, ob BAA sein Fast-Monopol an den Londoner Airports unzulässig ausnützt. Mehr Wettbewerb könnte die Anreiz-Problematik auf elegante Art lösen. Für die Banker und alle anderen Fluggäste wäre das eine gute Nachricht. Für die spanische Ferrovial-Gruppe weniger. Die hat für die Übernahme von BAA gerade zehn Milliarden Pfund ausgegeben.

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