City Talk
Urbritischer Urknall

„It was 20 years ago today“, so begannen die Beatles ihren Song Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band. Mit den fröhlichen Bläsersätzen, hinter denen sich ein Hauch von Nostalgie verbirgt, ist das Stück die perfekte Hintergrundmusik für ein Jubiläum der ganz besonderen Art – den 20. Geburtstag des Big Bang.

Vor 20 Jahren kam es in der Londoner City zum Big Bang. Die Urknall-Metapher steht für die Liberalisierung der London Stock Exchange, hinter der als treibende Kraft – wie könnte es anders sein – Premierministerin Maggie Thatcher steckte. 20 Jahre – das ist noch nicht einmal eine Generation, und doch scheint die Zeit vor dem Big Bang Lichtjahre entfernt zu sein. Bis zu Thatschers Urknall konnten nur natürliche Personen Mitglieder der Börse werden und dort handeln. Die Members schlossen sich zu Partnerschaften zusammen, ein geschlossener Club mit strengen Aufnahmeregeln. Erst nach dem Big Bang durften Außenseiter wie Banken und Versicherer sich an Member-Firmen beteiligen und sie aufkaufen. Was nach dem Urknall folgte, ist eine sehr britische Geschichte, so britisch wie Fish and Chips oder die Beatles.

In einem sind sich heute alle in der City einig: Ohne die Liberalisierung wäre London in die zweite Liga der Finanzplätze abgestiegen. Aber dafür zahlten die Briten auch einen sehr hohen Preis. Denn der Big Bang führte zum großen Artensterben der britischen Merchant Banks. Jahrhunderte alte Namen verschwanden, die ehrwürdigen Geldhäuser wurden einfach von ehrgeizigeren und agileren Konkurrenten aus dem Ausland geschluckt: Die Schweizer UBS übernahm das Traditionshaus Warburg, die Deutsche Bank kaufte Morgan Grenfell und die Dresdner Bank Kleinwort Benson.

Bei vielen City-Veteranen weckt die Übernahmewelle noch immer bittere Erinnerungen. Doch die Belohnung für den Ausverkauf kann sich sehen lassen. Heute ist London dank seiner Liberalität mit großem Vorsprung die Nummer eins unter den europäischen Finanzzentren, und die Finanzindustrie hat sich mit einem Beitrag von neun Prozent zur Wirtschaftsleistung längst zur Schlüsselbranche für die britische Ökonomie entwickelt.

Für Phänomene wie den Big Bang haben die Briten einen eigenen Begriff geprägt, den „Wimbledon-Effekt“: Wenn man das wichtigste Tennisturnier der Welt sein Eigen nennt, ist es gar nicht so schlimm, wenn immer die Ausländer gewinnen.

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