City Talk
Weihnachten? Ohne uns

Eine Welle politischer Korrektheit überrollt in der Vorweihnachtszeit ganz Großbritannien. Die große Mehrheit der Arbeitgeber verzichtet auf eine Weihnachtsfeier und einige Städte sogar ganz auf Weihnachtsschmuck und Lichterketten in ihren Straßen. Doch London wäre nicht London´, wenn nicht noch etwas anderes als religiöse Toleranz dahinterstecken würde.

Liebe Leser, ich möchte es nicht versäumen, Ihnen eine fröhliche und friedliche Jahresendfeier zu wünschen. Ja genau, es geht um das Fest, das in einigen rückständigen Teilen dieser Welt noch immer als Weihnachten bekannt ist. Für London gilt das selbstverständlich nicht, denn London ist die Mutter aller Multi-Kulti-Metropolen; deshalb stößt man hier andere Religionen nicht mit Adventskranz, Nikoläusen und ähnlichen fundamentalistischen christlichen Symbolen vor den Kopf.

Von 5 000 britischen Unternehmen wollen in diesem Jahr nur etwa 20 Prozent eine Weihnachtsfeier veranstalten, das hat die auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei Peninsula mittels einer Umfrage heraus gefunden.

Die große Mehrheit der Arbeitgeber will übrigens auch keine Tannenzweige, Glaskugeln und anderen saisonalen Schnickschnack in ihren Büros dulden. Wer trotzdem erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier Kerzen am Arbeitsplatz anzündet, braucht „Nerven wie Clint Eastwood“, behauptet zumindest die Boulevardzeitung Daily Mirror. Das hat nichts mit Feuergefahr zu tun, sondern mit der Welle politischer Korrektheit, die ganz Großbritannien in der Vorweihnachtszeit überrollt. Einige Städte verzichten sogar ganz auf Weihnachtsschmuck und Lichterketten in ihren Straßen, was ästhetisch natürlich durchaus ein Gewinn sein kann.



Es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet Anwälte sind, die die Umfrage zu Weihnachtsfeiern im Büro in Auftrag gegeben haben. Denn London wäre nicht London und die City wäre nicht die City, wenn hinter der Welle der politischen Korrektheit außer religiöser Toleranz nicht auch die Angst vor teuren Klagen stecken würde. Andersgläubige könnten sich durch den exzessiven Gebrauch christlicher Symbole belästigt fühlen und für die Verletzung ihrer religiösen Gefühle Schadenersatz fordern, warnen die Juristen.

Ob da bei den Anwälten nicht ein wenig der Wunsch der Vater des Gedanken ist? Geht mit den Juristen nicht die Hoffnung auf einen reich mit lukrativen Weihnachtsklagen gedeckten Gabentisch durch? Denn selbst dem strenggläubigsten Juden, Hindu oder Moslem müsste sehr schnell klar werden, dass die typische britische Betriebsweihnachtsfeier in etwa so viel mit christlichen Werten zu tun hat wie der Kölner Karneval.

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