Claudia Borchert gründete ihr eigenes Label
Eine Frau zieht an

Claudia Borchert zieht Männer an. Wer ihre Kollektion trägt, hat sich für Mode entschieden, die "schlicht und unprätentiös" daherkommt, aber mit "Liebe zum Detail und zum Stoff", wie sie selbst ihren Stil beschreibt. Im Laden der Kölner Modedesignerin kaufen vor allem "typische Fernsehfuzzis" und Werbeleute, die es sich laut Borchert leisten können, "mal etwas unkonfektioniert durch die Gegend zu laufen".

HB KÖLN. Pech nur, dass diese unkonventionellen New-Economy-Aufsteiger unter der Konjunkturflaute am meisten zu leiden haben - und deshalb in diesem Jahr beim Kleiderkauf zurückhaltender sind. Borcherts Modelabel ist profitabel. Doch die Verwirklichung von Selbständigkeit und Kreativität hat ihren Preis: "Ich fahre nicht drei Mal im Jahr in Urlaub, ich arbeite nachts durch und habe kein Wochenende, und krank werde ich schon gar nicht." Wer sich als Modedesigner selbstständig machen wolle, müsse nicht nur kreativ, sondern auch sehr fleissig sein, sagt Borchert. Die Entschädigung: Jemandem auf der Straße zu begegnen, der einen von ihr entworfenen Biker-Mantel trage.

Mit Auftragsarbeiten für andere Firmen lasse sich zumindest kurzfristig viel mehr Geld verdienen als mit einer eigenen kleinen Kollektion, sagt Borchert. Sie spricht aus Erfahrung: Nach einer Schneiderlehre und einer praxisnahen Ausbildung an einer Modellmacherschule in Düsseldorf entwarf sie zwei Jahre lang Musterkollektionen für verschiedene Fremdfirmen - und verdiente daran sehr gut. Auf der Strecke blieb die eigene Kreativität. "Am Anfang habe ich auch mal 20 schwarze Shirts genäht. Aber ich hatte schon im Hinterkopf, dass ich da weg will." Heute legt sie Wert darauf, dass ihre Kleiderserien für Kaufhäuser aus maximal zehn bis fünfzehn identischen Stücken besteht.

Präsent sein und Kontakte pflegen

Wer als Modedesigner nur seine künstlerische Ader ausleben will, sollte besser die Finger davon lassen. Denn um erfolgreich zu sein, braucht es andere Qualitäten: "Viel reden und immer präsent sein", ob auf Messen, Modeschauen oder im Laden - Selbstdarstellung und Kontaktpflege sind laut Claudia Borchert das A und O in der Modeszene. "Wir verbringen einen großen Teil unserer Zeit damit, die Beziehungen zu unseren Kunden zu pflegen." Der Entwurf und Schnitt eines Musterteils - der eigentliche Kern ihrer Arbeit - beansprucht nur etwa ein Drittel ihrer Zeit. Den Rest verbringt sie mit Marketing und Pressearbeit und dem Verkauf im Laden, den sie zusammen mit zwei anderen Designerinnen vor vier Jahren in Köln eröffnet hat.

Wer in der Modebranche nicht zu den Großen zählt, muss sich eine Nische suchen. Frauen, die Männermode machen, sind selten: "Meist machen Männer Mode für Männer. Das spornte mich um so mehr an." Die Männer, die sie für ihren Stil begeistern konnte, kommen immer wieder: "Meine Kunden sind eher Fans als Konsumenten. Und Männer bleiben einem viel treuer, wenn sie etwas gefunden haben, das ihnen wirklich gefällt. Frauen geben zwar häufiger Geld aus, verteilen es aber auf verschiedene Läden", hat die Designerin beobachtet. Sie selbst ist keine Ausnahme: Mal kaufe sie einen Rock für 600 Mark, mal ein T-Shirt bei H&M, beschreibt Borchert ihren eigenen Stil. "Ich bin kein Freund von stylish von Kopf bis Fuß, sondern mag eher die Brüche und Kombinationen."

Ihr beruflicher Spagat vollzieht sich nicht nur zwischen billig und teuer, sondern vor allem zwischen Modetrends und eigenem Stil. "Um erfolgreich zu sein, muss man auch bei neuen Kollektionen seiner Linie treu bleiben und nicht einfach irgend etwas abkupfern", findet sie. Und trotzdem auch mal was wagen. Im Oktober macht Borchert einen neuen Laden auf - stadtnäher, um neben der Stammkunden mehr Laufkundschaft anzulocken. Doch die große Masse will sie mit ihren Kreationen noch immer nicht anlocken: "Ich will kein Geschäft an einem Trampelpfad. Meine Sachen sollen individuell bleiben."

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