Claudia Cornelsen: Lila Kühe leben länger
Die lila Kuh schlachten

Martin Luther war einer, Muhammed Ali auch. JFK und Jackie gehörten ganz gewiss zu den großen Meistern dieses Fachs, und auch die holde Weiblichkeit brachte einige Virtuosen hervor: PR-Fachleute in eigener Sache, allesamt Selbstvermarktungs-Profis par excellence.

Madonna verpasst sich schon seit Beginn ihrer Karriere immer neue Images und greift aktuelle Modetrends auf, bevor sie Allgemeingut werden - ganz gleich ob Kruzifix, Cowboyhut oder henna-bemalte Hände. Diana Spencer alias Lady Di hingegen gab sich zunehmend als zerbrechliches Opfer eines ungewollten Ruhms und spielte damit ebenso virtuos auf der Klaviatur der öffentlichen Meinung.

Der Weihnachtsmann: Ein PR-Gag

Auch in der Mottenkiste der Geschichte findet sich genügend Stoff. Ludwig XIV inszenierte schon sein morgendliches Aufstehen als Spektakel. Auch später am Tage entpuppte er sich als ausgebuffter PR-Stratege. Er förderte die Künste, wo er nur konnte. Und wo sie ihn rühmten.

Diese illustre Ahnengalerie adelt selbst wandelnde PR-Gags wie Verona Feldbusch und Stefan Raab, die sich durch Selbst-Inszenierungen und Tabu-Brüche in die 1. Liga der Medienprofis spielten. Ihnen verzeiht man die PR-Masche auch eher als dem Weihnachtsmann. Für dessen pausbäckiges Großvater-Gesicht mit dem langen weißen Bart und den rosigen Wangen ließ sich 1931 ein amerikanischer Coca-Cola-Verkaufsfahrer porträtieren. Für eine Werbekampagne von Coca Cola. Der gemütliche Weihnachtsmann: ein PR-Gag? Tatsächlich: In ein rot-weisses Mäntelchen hüllt sich Santa Claus seit dato nur, weil dies die Hausfarben der Marke Coca-Cola sind!

Souveräne Demutgesten und Unterhosen im All

Einige der PR-Highlights sind noch in frischer Erinnerung. Die A-Klasse fiel durch den Elch-Test, Daimler blamierte sich bis auf die Knochen - und entschied sich schließlich für eine souveräne Demutsgeste. "Stark ist, wer keine Fehler macht. Stärker, wer aus seinen Fehlern lernt", philosophierte Tenniswunderkind Bobbele. Mit einem Augenzwinkern gestanden die Stuttgarter die Niederlage ein und sammelten dadurch Sympathie-Punkte. Inzwischen baumelt der Plüsch-Elch in vielen A-Klasse-Modellen.
Weniger bekannt hingegen ist, dass hinter dem extravaganten Wäsche-Label "bruno banani" ein ehemals volkseigener DDR-Betrieb steckt. Der krempelte sich innerhalb weniger Jahre vom biederen Feinripp- zum hippen Edelfaser-Hersteller um. Russische Astronauten trugen "bruno banani"-Wäsche im All. Seitdem sind die Chemnitzer Slips "Space prooved", weltraumgetestet, und "Not for everybody".

FAZIT:
Die locker-flockigen Geschichten, die die Autorin rund um ausgebuffte PR-Strategien strickt, lesen sich äußerst unterhaltsam. Die Info-Häppchen werden auch sprachlich appetitlich dargereicht und machen Lust auf mehr. Wer aber tiefer in eine bestimmte Vermarktungs-Masche einsteigen will, wird hier nicht fündig. Darin folgt die Autorin, selbst PR-Macherin mit eigener Agentur in Mannheim, zu sehr dem Gebot der Kürze. Angeblich ist der vielbeschäftigte Leser ja nicht willens, mehr als drei Seiten zu einem Thema zu verdauen. Ein paar Beispiele weniger, dafür mehr Analyse hätte man sich an manchen Stellen gewünscht. Das alles tut aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Claudia Cornelsen: Lila Kühe leben länger. PR-Gags, die Geschichte machten. Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter Wien/Frankfurt, 252 Seiten, Hardcover, ISBN 3-7064-0811-2, DM 49,90.

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