Clement und Außenhandelsverband einig
Euro-Kurs belastet Exportwirtschaft

Der Euro-Kurs auf dem aktuellen Niveau droht zu einer Belastung für die deutsche Exportwirtschaft zu werden. Davon sind Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und der Verband des deutschen Außenhandels überzeugt.

Reuters BERLIN. Die Bundesregierung und der Außenhandelsverband haben sich besorgt über die Auswirkungen des deutlich gestiegenen Außenwerts des Euro auf die deutsche Exportwirtschaft geäußert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Volkswirte bewerteten die Devisenkursentwicklung allerdings gelassener.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte am Mittwoch in Vilshofen, oberhalb eines Euro-Dollar-Kurses von etwa 1,10 "wird es für die Exportwirtschaft kritisch". Alle Kräfte in Deutschland müssten daher verstärkt zusammenarbeiten, um der Wirtschaft angesichts schwieriger internationaler Rahmenbedingungen zu neuem Wachstum zu verhelfen, sagte er auf dem politischen Aschermittwoch der SPD.

"Ein Kurs von 1,10 Dollar, das tut dem Außenhandel weh", sagte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin: Er halte in kurzfristiges Durchbrechen der Schwelle von 1,10 Dollar für wahrscheinlich. Geschehe das, so rechne er mit einem Euro-Kurs zum Jahresende von 1,18 bis 1,20 Dollar. Von diesem Szenario gehe sein Verband inzwischen aus.

Die europäische Gemeinschaftswährung, die bei ihrer Einführung am 1. Januar 1999 mit rund 1,17 Dollar bewertet worden war, hatte am Mittwoch zum ersten Mal seit März 1999 wieder kurzfristig über 1,10 Dollar notiert. Auslöser waren nach Angaben von Marktteilnehmern Äußerungen von US-Finanzminister John Snow, der derzeitige Dollarkurs bereite keine Sorgen. Am Mittag notierte der Euro bei Kursen um 1,0965 Dollar.

Der jüngste Anstieg des Euro wird sich nach Einschätzung der DIW-Außenhandelsexpertin Sabine Stephan noch nicht negativ auf das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auswirken. Viele Exporteure seien bereit, einen Teil des Euro-Anstiegs durch Preissenkungen zu kompensieren, sagte sie Reuters. "Die Firmen werden sich hüten, in der derzeitigen Konjunkturlage die Wechselkursänderung 1:1 an ihre Kunden weiterzugeben." Viele Firmen hätten außerdem mit dem Euro-Anstieg gerechnet und sich für diesen Fall abgesichert. Die politischen Spannungen zwischen den USA und Deutschland dürften sich ebenfalls kaum auf den Export in die USA auswirken, sagte Stephan.

Börner hatte Mitte Februar in einem Reuters-Interview erklärt, er rechne zum Jahresende 2003 mit einem Eurokurs um die 1,10 bis 1,12 Dollar. Bei einer schnellen Beilegung des Irak-Konfliktes könnte der Dollar aber zwischenzeitlich wieder bis nahe der Parität ansteigen. Bislang geht der Außenhandelsverband von einem Zuwachs der deutschen Exporte im laufenden Jahr von 2,8 bis 2,9 Prozent aus, gut ein Prozent mehr als im Vorjahr. Der Euro ist für den deutschen Export, dem maßgeblichen Wachstumsmotor in Deutschland, ein entscheidender Faktor. Sollte es zu einem lang andauerenden Irak-Krieg kommen, sind nach Börners Worten alle Expertenprognosen hinfällig.

Volkswirte sehen die besorgten Stimmen aus der Wirtschaft überwiegend gelassen. "Das ist wahrscheinlich eher ein Signal an die Regierung vor der Schröder-Rede zur Lage der Nation am 14. März, dass Hilfe für deutsche Firmen eine hohe Priorität haben sollte", schrieb Stephen Webster von 4Cast in London in einem Kommentar zur Äußerung Börners. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will Ende kommender Woche in einer Regierungserklärung Grundzüge der angekündigten Reformen präsentieren.

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