Clement will Mitte Mai eine Entscheidung über die Ministererlaubnis treffen
Hombach und von Holtzbrinck attackieren Kartellgesetze

Vor dem Hintergrund des Fusionsstreits auf dem Berliner Zeitungsmarkt haben WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und Verleger Stefan von Holtzbrinck die Abschaffung der Sonderkartellgesetze für die Presse gefordert. Die 24 Jahre alten Regelungen verhinderten ökonomisch wichtige Kooperationen zwischen Zeitungshäusern, sagte der früherer Kanzleramtsminister und EU- Balkanbeauftragte Hombach während eines Zeitungskongresses am Dienstag in Duisburg.

HB/dpa DUISBURG. Zu dem vom Kartellamt untersagten Kauf der "Berliner Zeitung" (Gruner + Jahr) durch den Holtzbrinck-Konzern sagte Hombach, dass Holtzbrinck mit seinem Berliner "Tagesspiegel" die notwendigen Synergien zur Rettung beider Zeitungen erbringen könne. "Um die publizistische Vielfalt zu erhalten, muss die Devise lauten: redaktionelle Unabhängigkeit garantieren, aber Synergien in allen anderen Bereichen suchen", sagte Hombach. Die Zusammenarbeit reiche von der Zeitungsverteilung und der Nutzung von Druckmaschinen bis hin zum Anzeigenmarkt.

Der Leiter des Holtzbrinck-Konzerns, Stefan von Holtzbrinck, kritisierte das Verhalten der Kartellbehörden. Die Differenzierung des Berliner Zeitungsmarktes in Kauf- und Abonnement-Zeitungen sei grundlegend falsch. Es bestehe das Bedürfnis, das Kartellrecht zu ändern.

Nach dem Antrag auf eine Ministererlaubnis will jetzt Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Mitte Mai eine Entscheidung über den Kauf der "Berliner Zeitung" treffen. Konkurrenten auf dem Berliner Zeitungsmarkt wie der Springer-Verlag ("Bild", "Welt" "Berliner Morgenpost") hatten sich gegen den Kauf ausgesprochen.

Neben der Zusammenarbeit mit anderen Zeitungen halten Hombach und von Holtzbrinck weitere Maßnahmen zur Verbesserungen der Ertragssituation in Zeitungsverlagen für notwendig. Optimistisch äußerte sich von Holtzbrinck zu der Aussicht, dass sein Haus Verluste bei Werbeerlösen im Zeitungsbereich durch Zugewinne im Onlinegeschäft wettmachen könne. "Die 14- bis 19-Jährigen sehen die Tageszeitung nicht mehr als unersetzlich an", sagte der Stuttgarter Verlagschef. Junge Menschen müsse man über andere kulturelle Wege erreichen.

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