Clevere Alternativen
Benzinpreise noch unter Vorjahresniveau

Ist doch alles nur halb so schlimm. Denn schließlich hat sich der Benzinpreis im Vergleich zum März des Jahres 2001 sogar verbilligt. Leider kein wirklicher Trost für all die, die gezwungen sind, an der Zapfsäule vorzufahren. Denen hilft nur die Fahrt ins benachbarte Ausland. Indessen lehnte die Bundesregierung einen "Benzingipfel" ab.

HB/dpa. Nachdem am Oster-Wochenende die Empörung über die gestiegenen Benzinpreise wieder aufgebrochen ist, bemüht sich der Verband der Mineralölwirtschaft um Schadensbegrenzung. Zu diesem Zweck hat der Verband Zahlen vorgelegt.

Der Benzinpreis ist im März nach Verbandsangaben zum Vormonat um durchschnittlich 3,8 Cent gestiegen. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) bezifferte den im März durchschnittlichen Preis für einen Liter Superkraftstoff am Dienstag in Hamburg auf 103,8 Cent. Im Vergleich zum März des Vorjahres habe sich Benzin damit um einen halben Cent verbilligt.

Die Importpreise für einen Liter Eurosuper am Rotterdamer Ölmarkt seien im März 2002 mit 18,8 Cent durchschnittlich 3,1 Cent höher als im Februar gewesen. Dies entspreche einem Anstieg von knapp 20 Prozent. Die Mineralölsteuer auf Benzin und die Mehrwertsteuer hätten im März zusammen ein neues Rekordniveau von 76,7 Cent je Liter erreicht, gab der MWV bekannt. Damit liege der Staatsanteil am Benzinpreis bei 74 Prozent.

Die hohen Benzinpreise über die Osteierfeiertage haben massive Verärgerung bei Verbrauchern, Politikern und Automobilclubs ausgelöst. Der stellvertretende FDP-Partei - und Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle sagte: "Der Anstieg der Benzinpreise zum Osterfest stinkt zum Himmel."

Das Bundesverkehrsministerium hat auf das von der Shell Deutschland Holding GmbH, Hamburg, vorgeschlagene Spitzengespräch zwischen Wirtschaft und Bund über die aktuelle Benzinpreisentwicklung ablehnend reagiert. Man sei regelmäßig mit der Branche im Gespräch, so dass ein solches Treffen nicht sinnvoll erscheine, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag auf Anfrage von vwd. Eine offizielle Anfrage aus der Mineralölwirtschaft sei noch nicht eingegangen. Wichtiger als ein "Benzin-Gipfel" sei, dass die "Preise vom Gipfel" kämen, sagte der Sprecher.

Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) drohte mit kartellrechtlichen Konsequenzen. Der Auto Club Europa (ACE) rief alle Kraftfahrer am Montag dazu auf, im Rückreiseverkehr nach Ostern teure Autobahntankstellen zu meiden. In Deutschland kostet laut ACE der Liter Diesel zur Zeit durchschnittlich 0,84 Euro, Normal 1,03, Super 1,05 und Super Plus 1,09 Euro pro Liter.

Bodewig warf den Öl-Konzernen "schamlose Preiserhöhungen" vor. In einem Gastkommentar für die Zeitung "Bild am Sonntag" schrieb Bodewig: "Mit Steuererhöhungen oder gestiegenen Rohölpreisen hat der Preissprung nach oben nichts zu tun. Die Unternehmen wissen: Jeder braucht Benzin, wenn er zum Beispiel mit der Familie in den Urlaub fährt. Die Unternehmen nutzen den erhöhten Bedarf für schamlose Preiserhöhungen." Die Bundesregierung nehme dies zum Anlass zu prüfen, "ob den Preissteigerungen keine widerrechtlichen Absprachen zwischen den Konzernen zu Grunde liegen. Dagegen würden wir dann auch kartellrechtlich vorgehen". Die Mineralölkonzerne versuchten, zeitgleich ihre Preisvorstellungen am Markt durchzusetzen.

Brüderle meinte, offensichtlich gehe es den Mineralölfirmen darum, die Verbraucher mal wieder zu schröpfen. Der Wettbewerb sei offensichtlich ausgeschaltet. Deshalb müsse das Kartellamt ein waches Auge haben. Es sei nicht abwegig, hier ein abgestimmtes Verhalten der Konzerne zu sehen. Zudem verschärfe die Ökosteuer die erneute "Fest- Abzocke" an den Tankstellen. Ohne Ökosteuer wäre der Spritpreis um rund 15 Cent einschließlich Mehrwertsteuer günstiger.

Nach Auffassung des ACE ist eine reduzierte Nachfrage die beste Möglichkeit, die von den Mineralölkonzernen in Gang gesetzte Preisspirale wieder zu stoppen. ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner kritisierte, dass es bislang nicht gelungen sei, der Mineralölwirtschaft kartellrechtswidrige Absprachen nachzuweisen. "Es schafft nur Verdruss, wenn Autofahrer immer wieder an den Zapfsäulen geschröpft werden, am Ende aber das Kartellamt als zahnloser Tiger vor seiner Verantwortung flieht", sagte Hillgärtner.

Dagegen wies der deutsche Marktführer Aral die Vermutungen zurück, dass die Preiserhöhungen mit den Ferien- und Feiertagsterminen in engem Zusammenhang stehen. "Die Tankstellenpreise folgen den Einkaufspreisen, wie in anderen Branchen auch", sagte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg in Bochum. Die Ölkonzerne hatten den Liter-Preis nach eigenen Angaben um durchschnittlich zwei Cent erhöht. Die Automobilclubs errechneten dagegen bis zu fünf Cent je Liter.

Der Ölpreis hatte in der Osterwoche ein Sieben-Monats-Hoch erreicht. Ein Barrel (159 Liter) OPEC-Öl habe am Donnerstag 24,36 Dollar (Vortag: 23,87 Dollar) gekostet, berichtete das OPEC - Sekretariat in Wien. Zuletzt war ein ähnlich hoher Preis im August registriert worden.

Zur Oster-Reisewelle haben die Mineralöl-Konzerne die Spritpreise nochmals deutlich angehoben. Nun droht Verkehrsminister Kurt Bodewig mit dem Kartellamt. Lesen Sie auch die Kritik der Automobil-Clubs und wo Sie auf Ihrem Oster-Ausflug günstiger tanken können.

Die Benzinpreise in Deutschland sind nach Angaben des ADAC vor Beginn der Oster-Reisewelle auf den bisher höchsten Stand des Jahres angestiegen. Diese Verteuerung sei nicht allein mit höheren Rohöl-Preisen zu erklären, sagte Erhard Oehm, ADAC-Vizepräsident für Verkehr in München. "Seit Jahren spielen die Mineralöl-Gesellschaften dasselbe Spiel, und das heißt Preiserhöhungen vor den Reisezeiten, bei denen die erhöhte Nachfrage dazu führt, dass die Produzenten nehmen, was der Markt hergibt." Der Automobilclub forderte die Mineralöl-Gesellschaften auf, die Preiserhöhungen zu überprüfen und faire Preise durchzusetzen.

Auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) kritisierte die Preispolitik der Mineralöl-Konzerne. Unmittelbar vor der Oster-Reisewelle seien die Benzinpreise drastisch erhöht worden. "Besonders in Großstädten mussten wir Preisexplosionen von durchschnittlich vier Cent je Liter verzeichnen, an einigen Markentankstellen sogar bis zu fünf Cent", sagte AvD-Sprecher Jochen Hövekenmeier gegenüber der Agentur ap.

Ein Aral-Sprecher bestätigte die Preiserhöhungen. In einigen Regionen habe das Preisniveau weit unter dem Bundesdurchschnitt gelegen, hier habe man "Preislöcher" auffüllen müssen. Dies sei jedoch nur in "Teilmärkten" geschehen, und man habe bei den Benzinpreisen noch keinen Jahreshöchststand erreicht.

Der AvD kritisierte hingegen, die Erhöhungen würden taktisch durchgeführt. Der Gewinn der Konzerne erhöhe sich an einem Reisetag besonders durch hohe Preise in den Ballungsgebieten, sagte Hövekenmeier. Man gehe davon aus, dass die Ölkonzerne durch die pünktlichen Erhöhungen an diesem und den vorangegangenen Wochenenden 60 bis 70 Millionen Euro an zusätzlichen Gewinnen auf Kosten der Oster-Urlauber einstrichen.

Auch Bundesverkehrs-Minister Kurt Bodewig (SPD) kritisiert die Öl-Konzerne heftig. Er wirft ihnen "schamlose Preiserhöhungen" vor und droht mit kartellrechtlichen Konsequenzen. In einem Gastkommentar für die Zeitung "Bild am Sonntag" schreibt Bodewig mit Blick auf die erneut vor Ostern gestiegenen Spritpreise: "Mit Steuererhöhungen oder gestiegenen Rohölpreisen habe der Preissprung nach oben nichts zu tun. Die Unternehmen wissen: Jeder braucht Benzin, wenn er zum Beispiel mit der Familie in den Urlaub fährt. Die Unternehmen nutzen den erhöhten Bedarf für schamlose Preiserhöhungen."

Die Bundesregierung nehme dies zum Anlass zu prüfen, "ob den Preissteigerungen keine widerrechtlichen Absprachen zwischen den Konzernen zu Grunde liegen. Dagegen würden wir dann auch kartellrechtlich vorgehen". Die Mineralölkonzerne versuchten, zeitgleich ihre Preisvorstellungen am Markt durchzusetzen. Es sei "nicht akzeptabel, wenn unsere Mobilität durch überhöhte Benzinpreise eingeschränkt wird. Gerade in der Urlaubszeit trifft dies vor allem Familien. Das ist besonders ungerecht."

Der Mineralöl-Wirtschaftsverband (MWV) in Hamburg machte die Situation am Rotterdamer Öl-Markt für die Anhebungen verantwortlich. Hier seien die Rohöl-Preise um rund 2,5 Prozent und die Benzinpreise um vier Prozent gestiegen. Zu Jahresbeginn kostete ein Fass Rohöl noch unter 20 Dollar, am Gründonnerstag bereits mehr als 26 Dollar.

Die bundesweit aktuellen Durchschnittspreise für Kraftstoffe liegen derzeit bei 85,9 Cent je Liter Diesel, 1,05 Euro für Benzin, 1,07 Euro für Super und 1,11 Euro für Super plus.

Lesen Sie auf der folgenden Seite weiter, wo Sie günstiger tanken können. | Sprit hinter der Grenze billiger

Wer mit dem Auto ins Ausland in die Oster-Ferien fährt, kann günstigere Sprit-Preise einkalkulieren. Denn Benzin ist in einigen EU-Nachbarländern deutlich billiger als in Deutschland. Das geht aus einer Preisübersicht der Europäischen Kommission hervor, die bereits Anfang März in Brüssel veröffentlicht wurde. Demnach war der Liter in Luxemburg mit 0,74 Euro deutlich billiger, in Österreich mit 0,83 Euro, in Belgien mit 0,93 Euro und selbst in Frankreich mit 0,96 Euro. Im Sommer 2001 kostete ein Liter Super-Kraftstoff in Frankreich zeitweise umgerechnet knapp 1,40 Euro.

Teurer war der Sprit Ende Februar 2002 bei Deutschlands Nachbarn Dänemark mit 1,03 Euro und den Niederlanden mit 1,10 Euro. Am billigsten tanken können Autofahrer in Griechenland, wo ein Liter Super-Benzin laut jüngster Übersicht 0,70 Euro kostete. Außerhalb der EU - etwa in Tschechien - ist der Sprit ähnlich günstig. Auch in der Schweiz kostet Kraftstoff weniger als in Deutschland.

Die höchsten Preise für Super-Benzin mussten Kunden in Großbritannien mit umgerechnet 1,15 Euro für einen Liter berappen, wo die gleiche Menge Diesel mit 1,22 Euro sogar noch teurer ist. Tendenziell dürften die Preis-Differenzen zu deutschen Tankstellen immer noch Gültigkeit haben.

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