Clinton erwartet
Hunderttausende feiern deutsche Einheit

750 000 Menschn kamen in Berlin zur Einheitsfeier. Es herrschte Volksfeststimmung rund um das Brandenburger Tor.

dpa BERLIN. In Berlin haben am Donnerstag 750 000 Menschen den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Diese Zahl nannte am Abend Senatssprecher Michael Donnermeyer. Rund um das Brandenburger Tor herrschte Volksfeststimmung. Bei einem Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt dankte Bundespräsident Johannes Rau den USA für ihre Verdienste um die Wiedervereinigung. Rau und Bundesratspräsident Klaus Wowereit (SPD) appellierten zugleich an die Deutschen im Osten und Westen des Landes, auch zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung weiter aufeinander zuzugehen und dabei die Unterschiede zu respektieren.

Die zentralen Feiern zum 3. Oktober wurden erstmals seit 1990 in der einstigen Mauerstadt Berlin ausgerichtet. Höhepunkt sollte am Abend die spektakuläre Enthüllung des Brandenburger Tors als Wahrzeichen der Einheit mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton als Ehrengast sein. Modedesigner Willy Bogner wollte sich von einem Ballon aus abseilen und die Stoffhülle um das Tor mit einem riesigen Reißverschluss öffnen. Das Denkmal war während einer fast zweijährigen Sanierung hinter einer Plane verborgen gewesen.

Im Bundesrat, dem Abgeordnetenhaus und in sieben Landesvertretungen nutzten Zehntausende die Möglichkeit, bei einem Tag der offenen Tür einen Blick hinter die Kulissen der Politik zu werfen. Der "Tag der offenen Tür" sei ausgesprochen gut angekommen, betonten einhellig die Sprecher von Bundesrat und Abgeordnetenhaus. Bei dem großen Andrang, der zu langen Warteschlangen führte, wurde mit bis zu 30 000 Besuchern gerechnet.

Bei dem Festakt am Gendarmenmarkt, zu dem Mittag auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gekommen war, sagte Rau: "Dass die Ideale von Demokratie und Freiheit sich endlich durchgesetzt haben, das verdanken wir den Bürgerinnen und Bürgern im Osten, aber wahrlich auch unseren Freunden und Verbündeten. Das werden wir ihnen nicht vergessen." Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush erstmals seit der Bundestagswahl wieder offiziellen Kontakt zu Deutschland aufgenommen und zum Tag der Einheit seine "herzlichen Grüße" an den Bundespräsidenten übermittelt.

Unter Hinweis auf die unterschiedlichen Entwicklungen durch die Jahre der Trennung erklärte Rau: "Mit dem richtig gemeinten Wort von der "inneren Einheit" darf kein falsches, unerreichbares Ideal aufgestellt werden." Die "innere Einheit" zwischen Mecklenburgern und Rheinländern werde vermutlich nie größer sein als die innere Einheit zwischen Franken und Westfalen je gewesen ist. "Wir sollten also gelassen respektieren, dass es bei aller Gemeinsamkeit immer viele Unterschiede geben wird."

Bei einer Feierstunde in Dresden sagte Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), 40 Jahre Trennung hätten tiefere Spuren hinterlassen, als man es vorher gewusst habe. Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) rief beim Festakt der Landesregierung in Sonneberg zu einem unverkrampften Umgang mit dem Nationalfeiertag auf. "Wir sollten den Tag so begehen wie andere Staaten ihre Festtage", sagte er. Beim Deutschlandfest der Union in Mödlareuth betonte Jenoptik - Chef Lothar Späth den Wert des Bündnisses Deutschlands mit den USA. "Ohne die Amerikaner hätten wir die Wiedervereinigung nicht geschafft", sagte er in dem einst geteilten Dorf auf der Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern.

Vor dem Festakt in Berlin hatte der Kanzler mit seiner Frau Doris sowie weiteren Spitzenpolitikern und Ministerpräsidenten einiger Bundesländer an einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom teilgenommen. Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg, Wolfgang Huber, und der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky mahnten zum sorgsamen Umgang mit der Freiheit.

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