Clinton will nicht aufgeben
Bis zum bitteren Ende

Hillary Clinton will das Wort „verlieren“ nicht hören. Obwohl sie Obama im Rennen um die demokratische Päsidentschaftskandidatur nicht mehr einholen kann, verweigert sie den Rückzug. Dabei lassen nicht nur die Superdelegierten Clinton im Stich. Auch aus einem anderen Grund hat sie nun wirklich keine Chance mehr.

cot WASHINGTON. Für Hillary Clinton wird die Luft im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten dünn - doch aufgeben will sie nicht. Die New Yorker Senatorin erklärte am Mittwoch, sie halte ihre Kandidatur aufrecht, bis es eine Delegiertenmehrheit für einen von beiden gebe. Die Entscheidung der Demokraten fällt damit wohl erst auf dem Nominierungsparteitag im August.

Rein rechnerisch können sich weder die ehemalige First Lady noch Obama die notwendige Mehrheit der Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Ende August sichern. Den Ausschlag geben daher die sogenannten Superdelegierten, die in ihrer Wahl frei sind:

  • Obama verfügt über 1840 Stimmen auf dem Parteitag Ende August in Denver, wo der Präsidentschaftskandidat der Demokraten offiziell gekürt wird. Mitgezählt sind dabei auch die in ihrem Abstimmungsverhalten nicht gebundenden Superdelegierten, die sich bereits zu Obama bekannt haben. Dem Senator von Illinois fehlen weniger als 190 Stimmen für die notwendige Mehrheit auf dem Parteikongress (2025).
  • Clinton hat bislang 1688 Delegierte für sich gewonnen.
  • Fast 800 Superdelegierte können in Denver abstimmen. 270 von ihnen haben sich für Clinton entschieden, 256 für Obama. Etwa 220 haben sich noch nicht festgelegt, weitere 50 müssen noch bestimmt werden.

Doch die bislang unentschlossenen Superdelegierten laufen nach den wichtigen Entscheidungen in Indiana und North Carolina Beobachtern zufolge schon jetzt verstärkt zu Obama über. Denn auch auf sie wächst der Druck, den monatelangen innerparteilichen Kampf endlich zu beenden. Die Parteiführung dringt darauf, dass sich die Parteifunktionäre spätestens nach dem 3. Juni entscheiden, dem Tag der letzten Vorwahl.

Eine der umworbenen Superdelegierten , Muriel Offerman, zeigte sich von Obamas Ergebnis in ihrem Staat beeindruckt. In North Carolina glaube man wie in anderen Staaten auch, dass die Zeit für einen Wechsel gekommen sei, sagte sie unter Anspielung auf den Slogan Obamas: „Die Menschen wollen den Wandel.“ Auch der Ex-Senator Robert McGovern, demokratischer Präsidentschaftskandidat von 1972, schwenkte auf Obama um und rief Clinton auf, aus dem Rennen auszusteigen.

Mathematisch hat Clinton keine Chance mehr: Obama führt in den landesweiten Umfragen, hat mehr Delegierte durch die Vorwahlen gewonnen und braucht weniger Superdelegierte, um die magische Zahl 2025 zu erreichen. Zudem hat die Wahl in Indiana einen bis dahin bestehenden Zweifel ausgeräumt: Obama kann auch bei Clintons Klientel, den weißen Arbeitern, punkten.

Der Geldfluss versiegt

Und Clinton hat noch ein Problem: Geld. Eindringlich bat die New Yorker Senatorin gestern um Spenden, um im Wettstreit mit Obama „wettbewerbsfähig“ zu bleiben. So wurde am Mittwoch bekannt, dass Clinton sich seit April erneut 6,4 Millionen Dollar (4,2 Millionen Euro) aus eigenen Mittel für den Wahlkampf leihen musste, weil ihr sonst das Geld ausgegangen wäre. Es ist das zweite Mal in diesem Jahr, dass sie in die eigene Tasche greifen musste. Sie bezeichnete die eigene Leihgabe als Zeichen dafür, wie fest sie an das glaube, wofür sie kämpfe.

Die für wichtigen Clinton Internetspenden, die eigentlich nur nach überzeugenden Siegen wie zuletzt in Pennsylvania flossen, dürften wohl stagnieren. Wer spendet Geld für eine Kandidatin, die früher oder später sowieso aussteigen muss?

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