Clintons Schwager soll für Geld Amnestien vermittelt haben
Viel Wirbel um Clintons Amnestien

dpa WASHINGTON. Der Wirbel um Amnestien, die Bill Clinton am letzten Tag seiner US-Präsidentschaft verfügte, reißt nicht ab. So wurde bekannt, dass Hillary Clintons Bruder Hugh Rodham 400 000 $ für die erfolgreiche Vermittlung der Begnadigung eines verurteilten Betrügers und eines inhaftierten Drogenhändlers erhalten hat. Auch der Wahlkampf-Finanzverwalter der einstigen First Lady, die sich im November erfolgreich um einen Senatssitz bewarb, half dabei, Amnestien für zwei verurteilte Kriminelle zu erreichen.

Hillary Clinton erklärte am Donnerstag, sie habe nichts vom Vermittlungslohn für ihren Bruder, einen Anwalt, gewusst. Sie sei sehr "traurig" und "enttäuscht" über das "schlechte Urteilsvermögen" von Hugh Rodham. Sie sei sich mit ihrem Mann Bill, der ebenfalls ahnungslos gewesen sei, darin einig gewesen, dass ihr Bruder das Geld sofort zurückgeben müsse. Das habe Rodham auch getan. Hillary Clinton bestritt auch, etwas vom Engagement ihres Wahlkampf-Mitarbeiters, des Anwalts William Cunningham, gewusst zu haben. Cunningham soll für seine Dienste 4000 $ erhalten haben.

Ehepaar Clinton sei tief betroffen über Rodhams Verhalten

Bereits am Mittwochabend (Ortszeit) hatten die Clintons in einer gemeinsamen Erklärung betont, sie seien "tief betroffen" über Hugh Rodhams Verhalten. Experten wiesen unterdessen darauf hin, dass ihm rein rechtlich nichts vorzuwerfen sei. Es sei normal, dass ein Anwalt von seinen Mandanten Geld für seine Dienste erhalte.

Clinton hatte wenige Stunden vor dem Ausscheiden aus dem Amt am 20. Januar 140 Amerikaner amnestiert. Am heftigsten umstritten ist sein Pardon für den Finanzier Marc Rich, der sich vor 17 Jahren vor einem Prozess wegen schwerer Steuerhinterziehung in die Schweiz abgesetzt hatte. Die Bundesanwaltschaft hat strafrechtliche Ermittlungen zur Klärung der Hintergründe für die Rich-Amnestie eingeleitet. Auch zwei Kongress-Ausschüsse untersuchen den Fall.

Almon Glenn Braswell wurde freigelassen

Rodham setzte sich für die Begnadigung von Almon Glenn Braswell ein, der vor fast 20 Jahren wegen Geschäftsbetruges und anderer Vergehen zu drei Jahren Haft mit anschließender fünfjähriger Bewährung verurteilt worden war. Clinton ließ dieses Urteil als Vorstrafe mit der Begründung tilgen, dass Braswell sich seitdem nichts mehr zu Schulden habe kommen lassen. Kurz nach der Verkündung dieser Amnestie wurde bekannt, dass die kalifornischen Behörden wegen des Verdachts des massiven Steuerbetrugs und der Geldwäsche gegen Braswell ermitteln.

Im zweiten Fall geht es um den verurteilten Kokain-Händler Carlos Vignali. Clinton ließ ihn nach Verbüßung von sechs Jahren einer 15- jährigen Haftstrafe auf freien Fuß setzen. Zur Begründung sagte Clinton, Vignali sei ein Ersttäter gewesen und habe lange genug "gesessen". Er, Clinton, sei generell besorgt über die harschen Urteile für Menschen, die sich zum ersten Mal eines Drogenvergehens schuldig gemacht hätten.

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