Cloud-Computing: Microsoft investiert in die Wolke

Cloud-Computing
Microsoft investiert in die Wolke

Der US-Konzern glaubt trotz IT-Attacken an die vernetzte Welt und macht Millionen locker. Das Angebot: Unternehmen holen Programme und Daten aus dem Internet, statt sie auf eigenen Rechnern zu speichern. Besonders in Deutschland will Microsoft mit dem Geschäftsmodell expandieren. Doch dafür muss der Konzern viel Überzeugungsarbeit leisten.
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FRANKFURT. Deutschland soll im Microsoft-Konzern eines der Musterländer für die professionelle Nutzung des Internets werden. Der weltgrößte Software-Hersteller will in den kommenden drei Jahren in Deutschland 100 Mio. Euro investieren und erreichen, dass die Unternehmen ihre Programme und Daten aus dem Internet holen, anstatt sie auf eigenen Rechnern zu speichern. Fachleute sprechen dabei von Cloud-Computing.

"Wir haben hier in Deutschland mit 2 200 Kunden schon heute neben den USA die meisten Kunden in der Cloud", sagte Ralph Haupter, Deutschlandchef von Microsoft, dem Handelsblatt. Cloud heißt übersetzt Wolke, das Internet wird häufig als Wolke dargestellt.

Die Unternehmen zahlen je nach Nutzung der Internetservices, dafür entfallen etwa Kosten für Wartung. Die Marktforscher der Gartner Gruppe gehen davon aus, dass mit solchen Dienstleistungen im Jahr 2014 fast 150 Mrd. Dollar erlöst werden, derzeit sind es rund 60 Mrd. Dollar.

Dennoch überrascht der Vorstoß von Microsoft. Gerade Deutschland mit seiner starken Dominanz der eher konservativen Mittelständler gilt bei der Verlagerung von Daten ins Netz als zurückhaltend. Die Firmen haben nicht zuletzt Bedenken wegen der Sicherheit. Die aktuellen Angriffe des Schadprogramms Stuxnet haben diese Debatte angeheizt.

Negative Folgen des Vorfalls für seine Pläne im weltumspannenden Netz sieht Haupter gleichwohl nicht. Er will sich der Debatte aktiv stellen: "Vieles ist schlicht Aufklärung, technisch ist das Problem lösbar. Ich habe häufig das Gefühl, als ob viele das Haus fünfmal verriegeln, den Schlüssel aber dann unter die Fußmatte legen", sagte er.

Anderseits bietet gerade der Mittelstand auch die größten Chancen beim Verkauf solcher Internetservices. Viele Unternehmen stehen vor der Entscheidung, wie sie ihre IT modernisieren. "75 Prozent unserer Kunden arbeiten noch mit dem Betriebssystem Windows XP", sagte Haupter. Mittlerweile ist mit Windows 7 die übernächste Generation des Herz-Kreislauf-Systems für Computer im Markt.

Allerdings machen Konkurrenten Microsoft das Geschäft streitig. Auf Seiten der Netz-Infrastruktur - der Bereitstellung von Rechenleistung - rüsten sich Google oder Amazon für den Wettstreit um Kunden. Google bietet zudem Büroanwendungen wie Textverarbeitung an, allerdings mit bescheidenem Erfolg. Dem Konzern fehlen etwa die für das Firmenkundengeschäft notwendigen Partner vor Ort.

Gleichzeitig will Microsoft endlich beim Thema mobile Geräte vorankommen. Im Oktober sollen nach Informationen aus Unternehmenskreisen die ersten Smartphones mit dem neuen Betriebssystems Windows Phone auf den Markt kommen. Die leistungsfähigen Geräte werden immer häufiger von professionellen Nutzern verwendet, um ihre Geschäfte über das Netz zu steuern.

"Es ist eine Frage von Quartalen, bis die Zahl der Smartphones die der PCs erreicht", sagt Haupter. Zuletzt hatte Microsoft im Handygeschäft gegenüber Apple und Google deutlich an Boden verloren.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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