Cloud Computing
„Oft fehlt das Verständnis“

Der Mittelstand und der öffentliche Dienst stehen der Wolke noch zögerlich gegenüber. Wieso - und warum sich das schon bald ändern könnte, erklärt August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbands Bitkom im Interview.
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Handelsblatt: Nur eine Minderheit der Mittelständler nutzt Cloud Computing. Was ist die Ursache dafür?

August-Wilhelm Scheer: Der Mittelstand zeigt sich dem Outsourcing-Gedanken gegenüber offener als früher. Aber viele Firmen haben grundsätzlich Angst, Daten an Fremde weiterzugeben. Wenn ein System läuft, sind sie erst einmal zufrieden und wollen sich nicht neue Risiken schaffen. Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Die Eintrittsschwelle für Cloud Computing ist derart gering und die Vorteile sind so groß, dass bei vielen Firmen bald ein Umdenken stattfinden wird.

Ist möglicherweise der Begriff "Cloud" verwirrend?

Sicherlich, vielen Mittelständlern ist nicht ganz klar, was sich dahinter verbirgt. Ich bin daher bei Umfragen auch skeptisch, ob die Befragten die Antworten auf das geben, was überhaupt abgefragt wird.

Der öffentliche Sektor ist ebenfalls zögerlich...

Dieser Bereich hinkt noch hinterher. Die Kontrolle über die eigenen Daten zu haben, ist hier besonders wichtig. Es gibt die Verpflichtung, Teile des Systems voneinander abzuschotten, um die Bürger zu schützen. Beispielsweise müssen Steuerdaten von den Einwohnermeldedaten getrennt bleiben. Zudem dauert ein Bewusstseinswandel bei öffentlichen Einrichtungen manchmal einfach länger. Andererseits stellen die Gemeinden den Bürgern viele Daten zur Verfügung, die alles andere als sensibel sind - etwa Informationen für Touristen. Dafür können sie auch Cloud-Services nutzen.

Die Bundesregierung hat sich des Themas angenommen: Das Bundeswirtschaftsministerium hat im September einen Technologiewettbewerb gestartet, um die Entwicklung von Cloud Computing voranzutreiben. Was halten Sie davon?

Der Bitkom war dabei stark eingebunden, weil wir das Thema für wichtig halten. Wir müssen aufpassen, dass wir international nicht abgehängt werden. Es gibt drei oder vier Unternehmen weltweit, die mehr als eine Million Server im Netz haben. Keines davon kommt aus Europa. Doch wir sollten nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern unsere Stärken nutzen. "Cloud Computing made in Germany" könnte weltweit zum Schlagwort für sichere Cloud-Lösungen werden.

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