CLT-Ufa und Pro Sieben Media AG zeigen kein Interesse an der Kinokette
Cinemaxx verliert Großaktionär

Die angeschlagene Cinemaxx AG kommt nicht zur Ruhe. Der belgische Großaktionär Kinepolis will nach nur zwei Jahren sein Aktienpaket an Deutschlands führendem Filmtheaterbetreiber abstoßen. Interessenten für die strategische Beteiligung sind wegen der anhaltenden Krise auf dem deutschen Kinomarkt aber nicht in Sicht.

lip HAMBURG. Der börsennotierte Kinobetreiber Kinepolis Group N.V. will sich von seinem 25 %igen Schachtelanteil an der Cinemaxx AG, Hamburg, trennen. "Die Bedeutung der Beteiligung an Cinemaxx ist wegen der unbefriedigenden und enttäuschenden Ergebnisse bereits seit geraumer Zeit in Frage gestellt", erklärte das Unternehmen am Freitag vergangener Woche im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. Einen Tag zuvor hatte der deutsche Kinobetreiber wegen rückläufiger Besucherzahlen eine Gewinnwarnung für das Rumpfgeschäftsjahr 2000 herausgegeben.

Bislang kein Erwerber in Sicht

Der belgische Filmtheaterbetreiber will bereits rückwirkend zum 1. Dezember die Beteiligung an der Cinemaxx AG nicht mehr in seiner Konzernbilanz konsolidieren. Das Aktienpaket soll aber erst zu einem späteren Zeitpunkt abstoßen werden, wenn sich der Börsenkurs der deutschen Filmtheaterkette wieder erholt hätte. Zudem wurde der Poolvertrag mit beiden Cinemaxx-Großaktionären Hans - Joachim Flebbe und Senator Entertainment gekündigt. Der Cinemaxx-Kurs legte zum Wochenschluss um mehr als 15 % auf 4,60 Euro zu.

Mit dem Verkauf will der belgische Filmtheaterbereiter im nächsten Jahr seine Ergebnislage wieder verbessern, da das Unternehmen u.a. wegen hoher Goodwill-Abschreibungen in 2000 in die Verlustzone rutscht und damit keine Dividende zahlen kann. Kinepolis hatte das Aktienpaket im Februar 1999 vom Cinemaxx-Vorstandsvorsitzenden Flebbe erworben, der die Anteile zuvor im Juni 1998 von dem finanziell angeschlagenen Musicalkonzern Stella übernommen hatte.

Dass Kinepolis bereits öffentlich Verkaufsabsichten äußert, werten Branchenkreise damit, dass bislang kein Erwerber in Sicht ist. So hegt Cinemaxx-Chef Flebbe keine Absichten, seine derzeitige Beteiligung von 33 % wieder auf eine Mehrheit aufzustocken.

Wertberichtigungsbedarf wird geprüft

Auch die Berliner Senator Entertainment will ihren Anteil von 25 % plus eine Aktie nicht weiter erhöhen. Die am Neuen Markt notierte Gesellschaft hatte vergangene Woche eine umfangreiche Kooperation mit Cinemaxx vereinbart, die ihr einen erheblichen Einfluss auf das operative Geschäft der Kinokette sichert. "Es ist nicht geplant, den Anteil an der Kinogruppe aufzustocken", betont eine Sprecherin.

Dass der Filmverleiher sein Cinemaxx-Engagement nicht verstärken will, wird in Bankenkreisen mit dem finanziellen Spielraum der Gesellschaft begründet. Er soll durch erhebliche Wertberichtigungen eingeschränkt sein, den Senator auf das Cinemaxx-Paket vornehmen muss. "Wir prüfen derzeit, wie hoch der Wertberichtigungsbedarf ausfällt", so eine Sprecherin. Einzelheiten hierzu sollen am Dienstag verlautet werden. Der Filmverleiher war am 19. April diesen Jahres bei der im Smax notierten Cinemaxx AG eingestiegen. Damals bewegte sich der Börsenkurs der Kinokette bei 23,50 Euro.

Pro Sieben Sat 1 Media: Kein Interesse an Cinemaxx

An einem Einstieg bei der Hamburger Filmtheatergruppe zeigen auch andere in- sowie ausländische Unternehmen wenig Interesse. Nach Informationen aus Branchenkreisen haben viele amerikanische Kinoketten ihre Pläne zurückgestellt, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Einige börsennotierte US-Gesellschaften stünden wegen der Krise am US-Kinomarkt sogar unter Chapter Eleven. Sie haben wegen akuter Zahlungsprobleme Stillhalteabkommen mit den Gläubigern und Aktionären geschlossen.

Auch inländische Konzerne halten sich zurück: Die CLT-Ufa, Fernseh-Holding der Bertelsmann AG, hat dem Vernehmen nach kein Interesse an Cinemaxx. Offiziell betont das Unternehmen hingegen, dass es zu Marktgerüchten generell keine Stellungnahme abgibt. Auch die Pro Sieben Sat 1 Media AG will sich entgegen von Börsengerüchten nicht als Kinobetreiber engagieren. "Wir führen keine Gespräche und sind nicht an der Cinemaxx AG interessiert", so ein Sprecher. Pro Sieben und Cinemaxx hatten Ende 1999 einen gemeinsamen Filmverleih gegründet.

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