Club der fünffachen Toursieger im Visier
Armstrong als Nationalheld gefeiert

Die Erfolge des Lance Armstrong haben bei seinen amerikanischen Landsleuten das Interesse am Radsport enorm steigen lassen. Der jüngste Sieg bei der Tour de France könnte für die Geschäfte rund um den dominierenden Helden ein weiterer Impulsgeber sein.

HB HOUSTON/ PARIS. Paris bildete gestern wieder die passende Kulisse für den Triumphator aus Texas. Lance Armstrong überquerte zum vierten Mal als Sieger der Tour de France die Ziellinie in Frankreichs Hauptstadt. Der Dominator, der Primus, der Beste - er war seiner Favoritenrolle abermals gerecht geworden. Und ein Ende ist nicht in Sicht. "Im nächsten Jahr kommt er zur Tour, um sie wieder zu gewinnen", kündigte sein Teamchef Johan Bruyneel an.

Während Armstrong nur noch ein Schritt fehlt, um mit den Fünffach-Siegern Jacques Anquetil, Eddy Merckx und Miguel Indurain gleich zu ziehen, musste sich Erik Zabel (Unna) nach insgesamt 3277 km umgewöhnen: Zum ersten Mal seit 1996 verpasste der Etappensieger von Alencon das Grüne Trikot. Der Australier Robbie McEwen, der wie 1999 die Schluss-Etappe auf den Champs Elysees nach 144 km gewann, löste den Weltranglisten-Spitzenreiter im Trikot des Team Telekom als bisher sechsfachen Serien-Sieger der Punktwertung ab.

Armstrong als Nationalheld gefeiert

Unterdessen darf sich der 30-jährige Armstrong darauf einstellen, in seinem Heimatland USA abermals als Nationalheld gefeiert zu werden. Seit er 1999 zum ersten Mal die Tour de France gewann, ist der Mann mit den unglaublichen Ausdauerwerten zu einem der bekanntestem Sportler des Landes geworden. Sein Name wird oft sogar im gleichen Atemzug mit denen von Michael Jordan und Tiger Woods genannt. Und das in einem Land, in dem der Radsport im öffentlichen Bewusstsein lange auf einem der hinteren Plätze rangierte.

In der Ära Armstrong hat sich das grundlegend geändert. Nach Zählung des Radsportbundes USA Cycling sind inzwischen fast 100 Millionen Amerikaner, also mehr als jeder dritte, aktive Radler. Sie stellen damit im neuen Jahrtausend die am schnellsten wachsende Sportgemeinde der USA, sowohl was das Zuschauen als auch das Mitmachen betrifft - unter anderem dank Lance Armstrong. "Lance hat das Bild des Radsports bei uns unglaublich verbessert", sagt Sean Petty, Vizepräsident in der Marketingabteilung von USA Cycling. "Das ganze Land redete zuletzt von der Tour de France, das war früher nie so."

Ruhm geht weit über den Sport hinaus

Sein Ruhm geht allerdings weit über die sportlichen Erfolge hinaus. Denn in den Vereinigten Staaten ist sein Name untrennbar verbunden mit seinem spektakulären Sieg über den Krebs. Nach einer fast hoffnungslosen Hodenkrebs-Diagnose mit nur 25 Jahren zeigte Armstrong einen eisernen Willen, die Krankheit zu überwinden, und schaffte zwei Jahre später das phänomenale Comeback und seinen ersten Tour-de-France-Sieg.

Als lebendiger Beweis für den Willen, der Berge versetzen kann, ist Lance daher ein amerikanischer Held, wie er im Buch steht. Unter anderem in seinem eigenen: Nach dem ersten Sieg 1999 veröffentlichte Armstrong seine Autobiographie "It's Not About The Bike: My Journey Back To Life" ("Es geht nicht ums Fahrrad: Meine Fahrt zurück ins Leben"). Das Buch landete auf Platz eins der New-York-Times-Bestsellerliste und gehört bis heute jedes Jahr zu den meistverkauften Büchern seines Verlegers Penguin-Putnam.

Auch die Tagesmedien treten mit in die Pedale: In großen Zeitungen wie USA Today oder Houston Chronicle schafften es die Tour-Berichte längst auf die vorderen Seiten. Auch kleine Lokalzeitungen und die Campusblätter der Universitäten drucken täglich halbseitige Artikel mit den neuesten Entwicklungen. Und jeder einzelne feiert den Sportler wie auch den Menschen Lance Armstrong.

"Er ist ein lebendes, atmendes, Rad fahrendes Testament für das Wunder des Lebens", schreibt etwa USA Today. Eine Nachrichtenagentur zitiert seinen Trainer und langjährigen Vertrauter Chris Carmichael: "Lance beweist uns allen, dass die Hoffnung immer weiterlebt und dass Wunder tatsächlich geschehen." Eine Zeitung verlieh ihm sogar Heiligenstatus mit dem Titel "Sankt Lance".

Vermarktungsmöglichkeiten der Ikone Armstrong

Die Vermarktungsmöglichkeiten der Ikone Lance Armstrong sind schier unbegrenzt. Besonders angenehm für die US-Wirtschaft: Sämtliche Accessoires des Texaners kommen von einheimischen Unternehmen. Armstrongs Sonnenbrillenhersteller, sein Helmproduzent, seine Sportkleidungs-Firma und Fahrradhersteller Trek Bicycles verzeichnen eine enorm steigende Nachfrage. Auch bei den Einzelhändlern klingelt die Kasse.

"Immer wenn die Tour de France läuft, steigt das Interesse bei uns gewaltig", sagt einer zufrieden. "Die Leute fragen nach dem Lance-Armstrong-Trikot, nach seinem Fahrrad, nach den Sondereditionen. Vor allem in der Woche, wenn Lance aus Frankreich wieder zurück nach Texas kommt."

Dem Sponsor US Postal, der sich seine Mannschaft geschätzte sieben Millionen Dollar kosten lässt, hat das Team in den vergangenen Wochen massenhaft positive Werbung eingefahren. Auch Armstrongs Heimatstadt wirbt mit dem Supersportler: Auf dem Reiseführer "Celebrate Austin" prangt sein Bild neben dem von Ex-Präsident Lyndon B. Johnson.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%